Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

sind völlig aus der Luft gegriffen und der Lösung des Problems nicht dienlich. In 
krassem Widerspruch zu seinen Ausführungen steht die knappe Zustandsbe¬ 
schreibung des Klostergeländes aus dem Jahre 1631, die vermerkt: Il y a une belle 
chapelle voûtée bien blanchie sous l'invocation de Ste Catherine112,. Dies kann sich 
nur auf die kurze Zeit zuvor erbaute Kirche für die um das Kloster siedelnden 
Menschen beziehen, die 1741 gar als église paroissiale angesprochen wird, à la 
quelle tout [sic!] les fermiers tant en dedans qu'en dehors à une lieue de distance 
sont paroissiens12*. Die Unterscheidung von Katharinenkapelle, - "aujourd'hui 
l'église du village" - und "chapelle primitive" traf auch G. Boulangé Mitte des vo¬ 
rigen Jahrhunderts223 225. Da ihm eine Bulle Papst Alexanders IV. bekannt war, in der 
die Katharinenkapelle Erwähnung findet, bezog er diesen Hinweis auf das ro¬ 
manische Gebäude226. Das Privileg gewährte allen Christgläubigen, die am Wei¬ 
hetag oder dessen Oktav die Kirche besuchten, einen Ablaß von 100 Tagen227. 
Boulangé übersah bei seiner Zuordnung, daß sich die Bulle nicht auf die Kon¬ 
ventskirche beziehen konnte, die laikalen Pilgern nicht offenstand. Zu überlegen 
bleibt, ob man in Weiler-Bettnach nicht eine Wallfahrt zu einer gerade fertigge¬ 
stellten Kirche propagieren wollte, die später möglicherweise verfiel oder abgebro¬ 
chen wurde. Negativ bemerkbar macht sich hierbei das Fehlen von Feldgrabungen. 
Der Aufriß, den J.A. Schmoll gen. Eisenwerth anfertigte228, bleibt sehr lückenhaft, 
ermöglicht aber die Feststellung der Zuverlässigkeit eines im Klosterarchiv ver¬ 
wahrten, 1740 auf der Grundlage der Bausubstanz von 1734 angefertigten Plans (s. 
Anlage)229. Es fehlen dabei zwar Angaben zur Nutzung der einzelnen Gebäude, die 
Zeichnung aus der Vogelschau vermittelt aber einen Gesamteindruck, der die 
ungewöhnliche Lage der Konventsgebäude nördlich der Kirche verdeutlicht230. 
Diese Konzeption dominierte in den südeuropäischen Ländern, wo man von der 
schattenspendenden Wirkung der Abteikirche profitierte; im übrigen Europa 
bevorzugte man in der Regel die gegenteilige Lage, um das Tageslicht intensiver 
und länger auszunutzen. Von den Baumaßnahmen zu Beginn des 18. Jh. scheint nur 
die Kirche selbst betroffen gewesen zu sein. Über sonstige bauliche Veränderungen 
liegen jedenfalls keine Nachrichten vor. Deshalb darf man davon ausgehen, daß die 
1741 verfaßte Beschreibung der Klosteranlage, die gewissermaßen die Einleitung 
zu einer Aufstellung der Weiler-Bettnacher Rechte und Einkünfte bildet, in großen 
223 ADM H 1789 Nr. 6, fol. 3v, 
224 ADM H 1757 Nr. 22, S. 4f. Art. 2 [1741 IV 2]. 
225 BOULANGÉ, S. 215. 
226 Ebd., S. 215f. Er gibt das Datum der Bulle mit 1259, DOSSE (S. 97) mit 1261 an; die korrekte 
Datierung lautet 1260 I 19. 
227 ADM H 1714, fol. 568v-569r. 
228 SCHMOLL GEN. EISENWERTH, S. 31; reproduziert bei FLESCH/CONRAD/BERGHOLZ, S. 96 
Abb. 107. 
ADM H 1869. Zu verweisen ist auch auf eine Zeichnung des Eingangs zur neuen Abteikirche und 
des angrenzenden Konventsgebäudes in ADM H 1871, abgebildet bei FLESCH/CONRAD/BERG- 
HOLZ, S. 97 Abb. 108. 
230 SCHMOLL GEN. EISENWERTH, S. 42, betont dies besonders. 
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