Full text: Lotharingia

ponens durch den Verzicht auf ein Zinslehen der Abtei Stablo das schöne Handelskapital 
von 12,5 Mark Silber (4-5 kg) für eine weite Handelsfahrt verschaffte.38 Die Vermischung 
von freien und grundherrschaftlichen Kaufleuten durch den Eintritt freier Kaufleute in die 
Wachszinsigkeit eines Klosters oder Stifts ist früh in Flandern und Nordfrankreich bezeugt;39 
es dürfte solche Fälle auch an der mittleren Maas, in Köln und anderen Orten am Nieder¬ 
rhein sowie im oberlotharingischen Raum gegeben haben. Die Bulle Feos IX. 1051 für 
Bischof Udo von Toul, in der den mansionarii des Vogesenklosters St. Die der freie Verkauf 
von Eigentum gegen Silber erlaubt wurde, um mit dem Erlös eine Pilgerfahrt unternehmen 
oder eine andere Tätigkeit - möglicherweise in Handel oder Handwerk - anfangen zu kön¬ 
nen,40 sanktionierte wohl nur eine seit längerem bestehende Praxis. 
So wie die geistlichen Grundherrschaften mit Sitz in einer Stadt oder im unmittelbaren 
Umland das Marktleben als Großanbieter und Großnachfrager anzogen, den Markt also an 
die städtische oder protostädtische Siedlung banden, um ihn nach einiger Zeit - nun als 
primär städtisches Element - gewissermaßen wieder freizugeben, so banden sie, manchmal 
bis ins 12. Jahrhundert - die aktivsten Kräfte des Handels und Verkehrs; sie trugen damit 
aber nicht unwesentlich zur Ausbildung jener Kaufmannschaft bei, die als lothringische 
Hanse unter Führung von Tiel und Köln bzw. später Dinant sehr früh in England bezeugt ist 
und im 12. und 13. Jahrhundert auch die sogen. Hanse der 17 Städte, eine Fahrtgenossen¬ 
schaft zum Besuch der Champagne-Messen, mit Fernkaufleuten beschicken konnte.41 
IV. Münzprägung, Geld und Währungen 
Für die Analyse des wichtigsten Gradmessers wirtschaftlicher Entwicklung, von Geld und 
Währung, und die Frage nach dem Grad der Monetarisierung der Wirtschaftsbeziehungen 
stütze ich mich vor allem auf die 1992 erschienene Dissertation meines Schülers Klaus 
Petry: „Monetäre Entwicklung, Handelsintensität und wirtschaftliche Beziehungen des ober¬ 
lothringischen Raumes vom Anfang des 6. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts".42 Durch die 
Kombination der Aussagen der Fundüberlieferung im oberlotharingischen Raum selbst, grob 
abgegrenzt durch die Sprengel der Bistümer Trier, Metz, Toul und Verdun, und im europäi¬ 
schen Raum außerhalb Fotharingiens (von Frankreich und Italien bis zum Nord- und Ost¬ 
seeraum) mit der schriftlichen Überlieferung zum Geldgebrauch, zur Aktivität der Münzstät¬ 
ten, der Kontrolle des Münzwesens und zu den Handelsaktivitäten, dies alles verbunden mit 
einer intensiven Nutzung der kartographischen Methode, hat Petry für großregionale Unter¬ 
suchungen dieses Leitsektors der Wirtschaft Maßstäbe gesetzt. 
38 Luise von Wi nterfel d, Handel, Kapital und Patriziat in Köln bis 1400, Lübeck 1925 S. 70f.; Irsigler, 
Grundherrschaft (wie Anm. 25) S. 61. 
39 Franz Petri, Die Anfänge des mittelalterlichen Städtewesens in den Niederlanden und dem angren¬ 
zenden Frankreich (1958). In: Ders., Zur Geschichte und Landeskunde der Rheinlande, Westfalens und 
ihrer westeuropäischen Nachbarländer, Bonn 1973 S. 693-749, bes. S. 731 ff. - Irsigler, Grundherr¬ 
schaft (wie Anm. 25), S. 68f. 
40 Petry, Monetäre Entwicklung (wie Anm. 13) S. 149. 
41 Hans van Werveke, Das Wesen der flandrischen Hansen. In: Hans. Geschichtsbll. 76. 1958 S. 7-20. 
42 Wie Anm. 1 3. 
165
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.