Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Wählergruppen dieser Parteien. Demnach zeigt auch die Gegenüberstellung von 
Stimmenanteilen der in der Deutschen Front vereinten Parteien mit den Deutsch¬ 
landstimmen, daß sich etwa die Hälfte dieser Wähler aus dem Zentrum, der DSVP, 
der Bürgerlichen Mitte und der DNVP rekrutieren; dies überrascht zwar weniger, 
zeigt aber sowohl durch den in etwa gleichbleibenden 50prozentigen Stimmen¬ 
anteil als auch durch die fast übereinstimmenden Rangplätze in der Größen¬ 
ordnung der Stimmenanteile, daß die Wähler der bürgerlichen (mittleren) und 
rechten Parteien den Entscheidungen ihrer Führung gefolgt waren (vgl. Tab. 1) 
Es liegt natürlich die Vermutung nahe, von der Stärke rechter Wählergruppen, die 
gewissermaßen als Multiplikatoren gewirkt haben könnten, auf Größenverhältnisse 
bei den Deutschlandstimmen schließen zu können. Dies kann anhand einer Ge¬ 
genüberstellung dieser Stimmenanteile und den Stimmen für die NSDAP und die 
DNVP bei der Gemeinderats-, Kreistags- und Landesratswahl 1932 überprüft wer¬ 
den7. Der Vergleich der prozentualen Stimmenanteile für die NSDAP bei der Ge¬ 
meinderatswahl mit den für Deutschland abgegebenen Stimmen zeigt keine signi¬ 
fikanten Übereinstimmungen, auch nicht bei der Einbeziehung der DNVP-Stim- 
men. So erreicht Saarbrücken-Stadt bei der Kommunalwahl zwar 13,63% 
(NSDAP) bzw. 17,35% der Stimmen (NSDAP und DNVP) und weist damit im 
Landesvergleich die höchsten Gewinne auf, bildet aber bei der Volksabstimmung 
mit 86,93% der Deutschland-Stimmen das Schlußlicht. Oder umgekehrt, - der 
Kreis Merzig, bei der Abstimmung mit 94,41% der Spitzenreiter bei den Deutsch¬ 
land-Stimmen, liegt auf kommunaler Ebene mit den nationalen Stimmen an letzter 
Stelle. Eine ungefähre Entsprechung der Rangplätze im Landesvergleich liegt nur 
für den Kreis Ottweiler und den Bezirk Homburg vor, hat jedoch aufgrund der all¬ 
zu geringen Prozentanteile wenig Aussagekraft. Insgesamt korrelieren also die 
Deutschland-Stimmen der Abstimmung mit früheren rechten Stimmenanteilen 
weder bei der Kreistagswahl noch bei der Landesrats wähl. Somit kann von einer 
direkten Beeinflussung der Rückgliederungsstimmen durch bestehende nationali¬ 
stische Wählergruppen kaum gesprochen werden. Sicherlich mögen in Einzelfäl¬ 
len, besonders in kleineren Gemeinden, bereits vorhandene nationalsozialistische 
Gruppierungen am Zustandekommen einer hohen Anzahl von Rückgliederungs¬ 
stimmen nicht ganz unbeteiligt gewesen sein, doch ist auf breiter Ebene hierzu 
keine Gesetzmäßigkeit erkennbar. Mimbach mit den prozentual meisten Deutsch¬ 
land-Stimmen bei der Volksabstimmung scheint bei der Landesratswahl 1932 be¬ 
reits auf nationalsozialistischen Kurs zu gehen, erhalten doch in dem kleinen Dorf 
im Bezirk Homburg die Nationalsozialisten die meisten Stimmen. 
7 
' Vgl. jeweils die folgenden Tabellen. 
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