Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Lenkung und Finanzierung durch interessierte Organe und Kreise - die Zweite In¬ 
ternationale, Redakteure der im Reich verbotenen "Roten Fahne" (Berlin) oder des 
"Ruhr Echo(s)H, die frankophilen Kreise, die Emigranten, vor allem der französi¬ 
sche Staat, ferner die katholischen Bischöfe, besonders jedoch bestimmte Orts¬ 
geistliche. 
Im Kampf für das Deutschtum an der Saar glaubten die entsprechenden 
Reichsstellen auch eingeengt zu sein durch "neutrale" Presseparagraphen der 
Reko, die sich nicht scheue, "zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung"7 
Zeitungen für längere Zeit aus dem Verkehr zu ziehen. Gerade dieser Umstand 
wurde natürlich propagandistisch ausgeschlachtet, ahnde die Reko doch jede 
"Falschmeldung" mit Verboten und Zwangsauflagen. Bemängelt wurde das Fehlen 
einer Pressestelle bei der Reko, die "sachliche Informationen" liefere, während der 
deutschfeindlichen Presse unterstellt wurde, sie zeige sich so gut informiert, daß 
inoffizielle Verbindungen zwischen ihr und dem Regierungsapparat bestehen 
müßten8. 
Saar-Nachrichten lieferten die Pressedienste des WolfFsehen Telegraphenbüros 
und der Deutschen Saar-Korrespondenz, Filialen des Depeschen-Büros Europa- 
Press in Frankfurt/M., die bereits seit Jahren Reichszeitungen mit Nachrichten von 
der Saar versorgten. Seit November 1933 stand die Deutsche Saar-Korrespondenz 
mit der Deutschen Front und der Landesführung der NSDAP-Saar in enger Ver¬ 
bindung, was sich auf die pro-deutsche Berichterstattung an der Saar und im Reich 
entsprechend auswirkte. Um Nachfragen bezüglich der an der Saar besehenden 
deutschfeindlichen Presse begegnen zu können, versuchte man propagandistisch 
geschickt, dem verspäteten Einreihen mancher Blätter in die Phalanx der reichser¬ 
gebenen Presse zu schmeicheln. Der pro-nationalsozialistischen Saarpresse be- 
schied man im Reich, sich gerade in der Abgeschiedenheit vom Reich eine positive 
Einstellung zum Nationalsozialismus erworben zu haben, ganz besonders habe sie 
sich freigehalten "von dem billigen Enthusiasmus, mit dem so mancher Kollege im 
Innern Deutschlands, schneller als es dem Tempo eines wirklichen Gesinnungs¬ 
wandels entspricht, formal sich gleichschalten konnte"9. 
Die ab Februar 1933 von der Reko ausgesprochenen Zeitungsverbote hatten auf 
Reichsebene zum gleichen Zeitpunkt durchaus ihre Entsprechung durch die Ver¬ 
breitungsverbote für die Blätter von SPD/S und KPD/S - wenn auch, rechtlich 
gesehen, unter anderen Vorzeichen. Das Verbot traf auch die "Volksstimme", 
allerdings entgegen den Zielen des Auswärtigen Amtes, oder ab Juli 1933 das 
frankophile "Saarlouiser Journal" und die ab Mai 1934 von Johannes Hoffinann 
herausgegebene "Neue Saar-Post"; einem Annoncenboykott war die "Volksstim¬ 
me" an Saar ausgesetzt. Die Verbote der Reko erstreckten sich auf eine große 
7 ..... 
"Es fehlt den Verordnungen der Reko durchaus jede positive Absicht, jeder volkspolitisch erzieherische 
Gedanke": A. Hellbrück, Die deutsche Presse, S. 77. 
O 
Von der vom Reich subventionierten Presse und ihrer entsprechenden "Stimmungsmacherei" spricht das 
Schreiben Binders an Voigt v. 18.10.1932. LA Speyer, Best. Bez.Amt Kusel, Nr. 1.416 II, BI. 292. 
9 A Hellbrück, Die deutsche Presse, S. 77. 
553
	        

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