Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

lothringischen Anstalten waren für die LiBA Metz die LBA Ottweiler, für die LBA 
Metz-Montenich die LBA Speyer, für die LBA Saarburg die LBA Kaiserslautern, 
für die LiBA Sierck die LiBA Kaiserslautern und für die LiBA Siersthal die 
Zweigstelle in Zweibrücken. Verschiedentlich besuchten Lehramtsstudenten auch 
die Anstalt in Dortmund. Saarländische Anwärter und Anwärterinnen für den 
Lehrerberuf gingen größtenteils nach Kaiserslautern oder Speyer (eine Klasse für 
Saar-Lehramtsanwärter in Idstein), später auch nach Saarburg; ab 1944 sollten die 
Saarburger Lehrerstudenten nach Sierck, doch wurde dort wahrscheinlich der 
Betrieb nicht mehr aufgenommen3. Voraussetzung für die Aufnahme war der 
Abschluß der Volks- oder Hauptschule, die Auslese in Zusammenarbeit mit der HJ 
oder dem BdM sowie eine Vorauslese in einem "Musterlager"4. Die Dienstaufsicht 
über die Höheren Schulen und die LBA der Pfalz war Bürckel am 5. Oktober 1942 
vom Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung übertragen 
worden. Die letztendliche Gestaltung der Lehrerbildung scheint in einer zumindest 
vorläufigen Fassung durch die Kriegsereignisse unterbrochen worden zu sein; mit 
Sicherheit war in dieser Richtung das Planziel noch nicht erreicht. Bürckels Plan 
einer Universitätsneugründung kam nicht zum Zuge (Gauleiter Simon für Trier, 
Bürckel für Saarbrücken) trotz seiner Initiative für eine "Führerentscheidung", 
wohl da Bormann die Errichtung einer oder gar mehrerer neuer Universitäten im 
Westen außer in Straßburg für falsch hielt5. 
Von kirchlicher Seite scheint verschiedentlich versucht worden zu sein, sich gegen 
eine allzu starke Durchsetzung der Schule mit linientreuen Lehrern zur Wehr zu 
setzen, wenn auch mit untauglichen Mitteln; so wurde z.B. von der Gestapo Saar¬ 
brücken im Juni 1938 Klage über die "Unsitte" geführt, daß die Kirchengemeinden 
den angeforderten Urkunden zum Nachweis der arischen Abstammung entspre¬ 
chende "Flugblätter" (zur Aufklärung) beifügten6. Solche Aktionen waren gemäß 
dem Flugblattverbot zu untersagen und gegen Herausgeber und Drucker Anzeige 
zu erstatten. 
Die gesamte Entwicklung - von der Ausschaltung der Bekenntnisschule bis hin zur 
deutschen Gemeinschaftsschule, der veränderte Zuschnitt der Schulaufsichtsbezir¬ 
ke und die damit einhergehenden personellen Veränderungen, die Beschneidungen 
im Religionsunterricht, der Rauswurf der Geistlichen aus der Schule, die Auflö¬ 
sung der konfessionellen Privatschulen sowie die Errichtung von NS-Ausleseschu- 
3 Das Aktenmaterial der Hochschule ist vernichtet. Informationen gern. Aussagen von Absolventen dieser 
Anstalten. Konfessineile Lehrerseminare zu Reko-Zeiten bestanden in Merzig, Ottweiler und St. Wendel, 
die spater in Landesstudienanstalten mit konf. Charakter umgewandelt wurden. LA Saarbrücken, Best 
Min. f. Kultus, Unterricht u. Volksb., Nr. 1.314. 
4 Ausbildungszeit 5 J., Kosten d. d. Staat. Sehr, des Reichsstatth. v. 9.10.1941. Ebd., Kreisschulamt Ott¬ 
weiler, Nr. 54. 
5 Sehr. Bormanns an Lammers v. 16.10.1940. BA Koblenz, Best. R 43 II/ 940, Bl. 43. Vgl. D. Wolfan¬ 
ger, Die natsoz. Politik, S. 125f. 
6 Zur Entwicklung 1938, des Problems des Nachweises der arischen Abstammung s. ebd., Best. Dep. 
Blieskastel, D 21/16. 
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