Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Um von offizieller Seite eine Aufhebung der Schulmaßnahme herbeizuführen, fuh¬ 
ren am 8. Februar acht Männer, drei aus der Kirchenverwaltung und fünf Erzie¬ 
hungsberechtigte nach Saarbrücken zu Reg.Dir, Wambsganß; Sprecher war Karl 
Breit, Vater von sechs Kindern, der auch den Tatsachenbericht von Pfarrer Layes 
im Reichskommissariat vorlegen sollte; da sie Wambsganss nicht antrafen, mußten 
sie ein zweites Mal nach Saarbrücken, wo sie dann auf eine künftige zufriedenstel¬ 
lende Lösung vertröstet wurden. Doch von amtlicher Seite folgten nur Repressa¬ 
lien; die Partei meldete sich in der Presse zu Wort, die Gestapo schaltete sich ein, 
die Eltern wurden wegen des Fernhaltens ihrer Kinder vom Schulbesuch mit einer 
Geldstrafe belegt, Beteiligte wurden zur Nachtzeit verhört und in übelster Weise 
wegen ihres Verhaltens beschimpft. Die nationalsozialistische Presse scheute sich 
nicht, den Frankenholzer Katholiken kommunistische Umtriebe zu unterstellen. 
Um die angebliche Nichtigkeit des Streites herauszustellen, veröffentlichten die 
NSZ und andere bekannte pfälzische Zeitungen am 27. Februar das Bild des 
Schulsaales, das den Platz über der Tür als "im Blickfeld der Kinder" herausstellte. 
Bischof Ludwig Sebastian nahm daraufhin in einem am 7. März verlesenen Hir¬ 
tenbrief an die Diözesanen dazu Stellung, wobei er sich bemühte, die Sachlage ins 
rechte Licht zu rücken, nicht zuletzt im Hinblick auf die bereits im rechtsrheini¬ 
schen Bayern sich vollziehende Umwandlung der Konfessionsschule in eine Ge¬ 
meinschaftsschule und die bereits Mitte 1936 erwartete pfälzische Angleichung9. 
Er führte aus, daß er sich an die Schulabteilung und an Bürckel selbst gewandt ha¬ 
be, um eine friedliche Lösung herbeizuführen. Er nahm insbesondere die katholi¬ 
schen Eltern wegen des Zurückhaltens ihrer Kinder vom Schulbesuch gegen den 
Vorwurf der Staatsfeindlichkeit in Schutz und wies auch auf ihre Abstimmung am 
13. Januar 1935 für ihr Vaterland hin. Um letztlich dem "Versuch" zu begegnen, 
"die Angelegenheit auf das politische Gebiet zu schieben und von einigen rebelli¬ 
schen und politisch hetzenden Elementen zu sprechen"10, folgte eine Erklärung 
von 126 Männern und Frauen, deren Unterschriften beim Katholischen Pfarramt 
in Frankenholz hinterlegt wurden. Die Erklärung legte die lauteren Absichten der 
Eltern dar, besonders das Fehlen politischer Beweggründe und den Umstand, daß 
man am 20. Februar nach der öffentlichen Aufforderung die Kinder wieder zur 
Schule geschickt habe. 
Das bischöfliche Schreiben ging an die Gauleitung und an das Reichskommissariat 
in Saarbrücken. Als aufgrund einer Solidarmaßnahme mit den schulischen Vorfäl¬ 
len auch noch die Bergleute der Frankenholzer Grube am 11. Februar die Kohle¬ 
forderung um mehr als 100 Tonnen senkten, wurden 14 Familienväter auf Anwei¬ 
sung der Parteileitung aus ihrer Arbeitsstelle bei der Grube entlassen, fünf Perso¬ 
nen am 17. Februar in Schutzhaft genommen und erst am 20. März aus dem Saar¬ 
brücker Gefängnis entlassen11. 
Sehr. Sebastians an Faulhaber v. 15.6.1936. AB Speyer, B 1, A-XV-26. 
10 
Verlautbarung Bischof L. Sebastians v. 28.2.1937: Abgedr. bei J. Bisson, Sieben Speyerer Bischöfe, S. 
348ff. 
11 Namentliche Auflistung bei J. Bisson, Sieben Speyerer Bischöfe, S. 348, 
523
	        
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