Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

der Oldenburger Katholiken soll uns zum Vorbild sein,"6 Erst jetzt gab der Orts¬ 
pfarrer gegenüber seinen Gläubigen sein Mißfallen über die Platzänderung zu er¬ 
kennen, war er doch bisher davon ausgegangen, daß die Maßnahme nicht auf einer 
behördlichen Anordnung beruhte. Mögen die örtlichen Umstände seiner Einschät¬ 
zung recht geben, so muß doch festgestellt werden, daß bereits ähnliche und glei¬ 
che Entwicklungen im Reich in den vorausgegangenen Wochen sichtbar geworden 
waren, wie etwa das Untersagen des Kreuzzeichens und Händefaltens in Schulen 
der Diözese Regensburg ("Das Verbot gehe weder von der Schulleitung noch von 
der Stadtschulbehörde, noch von der Regierung aus, sondern von der Bewegung7) 
oder das Entfernen des Kreuzes in Schulen der Diözese Münster8. Aufgrund der 
vielen Eltemproteste wohl waren am 1. Februar in zwei Schulsälen Kreuz und 
Hitlerbild wieder umgehängt worden, eine Maßnahme, die von Pfarrer Layes als 
Unfug bezeichnet wurde. Daraufhin wurde ihm von seiten der Lehrer mit Anzeige 
gedroht. In seinem Tatsachenbericht der Ereignisse an das Speyerer Ordinariat 
wies Pfarrer Layes darauf hin, daß die neueren Geschehnisse in der Gemeinde von 
Schulleiter Klein dazu benutzt würden, die seit den letzten neun Jahren anstehen¬ 
den Zerwürfnisse zur persönlichen Befriedigung seines Hasses gegen ihn auszu¬ 
nutzen; dem Ortsgeistlichen machte Klein vor allem den Vorwurf, er habe in sei¬ 
ner Stellungnahme in der Kirche Lehrer Petry und Lehrerin Dahl in den Augen 
der Gläubigen herabgesetzt, Lehrerin Betz dagegen in gutem Licht erscheinen las¬ 
sen. Da man als Initiator zum Umhängen der Kreuze Pfarrer Layes vermutete, 
wurden am 2. Februar von Lehrer Klein, Lehrer Petry und Frl. Dahl zusammen 
mit dem Bürgermeister von Oberbexbach die Kinder hierzu vernommen, was die 
gläubige Elternschaft noch weiter erboste, so daß sogar von Tätlichkeiten die Rede 
war. In der Kirche selbst versammelten sich seit der Sühnebetstunde vom 4. Fe¬ 
bruar die Frauen, um einen guten Ausgang der Kreuz-Angelegenheit zu erflehen. 
Als am Samstag, den 6. Februar, ein Auto gegenüber der Kirche am Schulhaus 
vorfuhr, dem zwei Männer entstiegen, versammelten sich ca. 100 Männer und 
Frauen, um ihren Pfarrer zu beschützen; nachträglich stellte sich heraus, daß es 
Kreisleiter Knissel und Schulrat Persch waren. Inzwischen war die Angelegenheit 
auch außerhalb von Frankenholz bekannt geworden, nicht zuletzt dadurch, da 
zahlreiche katholische Eltern ihre Kinder am 8. und 9. Februar vom Schulbesuch 
femhielten. Zu der am 8. Februar durchgeführten Eltemversammlung erschienen 
nicht nur die geladenen Eltern, sondern mehrere hundert Interessierte. Klein, der 
die Eltern aufforderte, ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken, gelang es 
nicht, eine Einigung herbeizuführen; unverrichteter Dinge mußte er die Versamm¬ 
lung schließen und das Schulhaus von der Polizei räumen lassen. Am 11. Februar 
eröfifnete Klein der Kollegin Betz, daß sie bis auf weiteres aus dem Schuldienst 
entlassen sei und das Schulhaus nicht mehr betreten dürfe; sie wurde später in die 
Nähe von St. Wendel strafversetzt. 
6 AB Speyer, B 1, A-XV-18, Bi. 2. Bischof Sebastian bezog sich auf die Anordnung des Ministers der 
Kirchen und Schulen im Lande Oldenburg v. 4.11.1936. 
7 Ber. des Bisch. Ordinariats Regensburg v. 22.12.1936. AB Speyer, BO, NS, Nr.27. 
8 Ber. des Bisch. Ordinariats Münster v. 26.1.1937. Ab Speyer, BO, NS, Nr. 27. 
522
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.