Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

drei Klassensälen an der bisherigen Stelle des Kreuzes "im Blickfeld der Kinder" 
das Bild Hitlers prangte, war im Saal von Lehrerin Betz das Bild unter das Kreuz 
gehängt. 
Der katholische Ortspfarrer, Luitpold Layes, der sich am 29. Januar beim derzeiti¬ 
gen Schulleiter Klein nach dem Sinn dieser Maßnahme erkundigte, erfuhr, daß 
Schulrat Persch von Homburg in einer Schulleiterkonferenz in Homburg die An¬ 
weisung gegeben habe, "das Führerbild in das Blickfeld der Kinder zu hängen, und 
den Vorschlag gemacht habe, das Führerbild an die Stelle des Kreuzes zu hängen 
und das Kreuz über der Türe anzubringen"; gegenüber Pfarrer Layes erklärte 
Schulleiter Klein, "daß man ja eigentlich Kreuz und Führerbild nicht miteinander 
vergleichen könne und daß selbstverständlich dem Kreuz der Vorrang gebühre"3. 
Erkundigungen bei anderen Schulleitern des Bezirks Homburg und beim Schulrat 
selbst ließen erkennen, daß Perschs derzeitige Anweisung nur darin bestanden 
hatte, "das Bild des Führers in das Blickfeld der Kinder zu hängen". In den Schu¬ 
len von Oberbexbach, Mittelbexbach, Homburg-Nord, St. Ingbert und von anderen 
Gemeinden war das Kreuz an seiner bisherigen Stelle verblieben. Ein Schreiben 
des Reichskommissars, Abt. III, vom 5. Dezember 1935 bereits hatte alle Schulen 
angewiesen, das Bild Hitlers, bisher im Rücken der Schüler oder an einer Seiten¬ 
wand hängend, nun im Gesichtsfeld der Schüler anzubringen, so daß es den gan¬ 
zen Schulraum beherrsche4; anscheinend hatte diese Regelung bisher nicht zu Wi¬ 
derspruch geführt, war auch wohl weniger beachtet worden. 
Über die Maßnahme von Schulleiter Klein zeigten sich viele Eltern im Laufe der 
Woche vom 25. - 31. Januar sehr erregt und übten scharfe Kritik nach dem Motto: 
"Jetzt wird das Kreuz auch bald zur Türe draußen sein, an der Türe ist es schon."5 
Gegenüber Pfarrer Layes brachten die Eltern in heftigen Worten ihr Mißfallen 
über die Handlungsweise der Lehrerschaft (Klein, Petry, Dahl) zum Ausdruck; ih¬ 
nen allen schien die Wegnahme des Kreuzes von seiner bisherigen Stelle eine ag¬ 
gressive Geste gegen die Kirche zu sein. 
Am Sonntag, den 31. Januar 1937, nahm der Bischof von Speyer in seinem Fa¬ 
stenhirtenbrief hierauf bereits Bezug: "Ihr wißt ja auch von den Vorgängen in Ol¬ 
denburg im November des vergangenen Jahres. Dort sollte das Kreuz Christi aus 
den Schulen entfernt werden. Aber die Katholiken traten mit unerschütterlichem 
Bekennermut für das Kreuz ein und trugen in diesem Kampfe einen ruhmvollen 
Sieg davon. Sie waren sich eben der Verantwortung bewußt, die der gerechte Gott 
einmal über kurz oder lang von ihnen fordern wird. Diese glaubenstreue Haltung 
3 Tatsachenbericht v. 7.2.1937. Ebd. Bl. 1. 
4 Sehr. v. 5.12.1935. LA Saarbrücken, Best. Kreisschulamt Saarlouis, Nr. 1. 
5 Ebd. Bl. 1. Zu den Angriffen des Berliner Stud.Ass. Dr. Krause am 13.11.1933 auf das Bekenntnis, 
speziell zur Entfernung der Kruzifixe aus den evang. Kirchen, s. das Flugblatt v. 4,12.1933. LA Saar¬ 
brücken, Best. Einzelstücke, Nr. 191. 
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