Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Neuntes Kapitel 
Die Auswirkungen der Machtpolitik Bürckels im kirchlichen 
UND SCHULISCHEN BEREICH 
1. Staat und Kirche 
1.1. Die Problematik der Geltung des Reichskonkordats an der Saar und 
die "Vereinbarung zur Sicherung der guten Zusammenarbeit 
zwischen Partei, Staat und Kirche im Saarland" 
Bestanden auf katholischer Seite im Saarland noch Wochen nach der Volksab¬ 
stimmung Vorstellungen zu einem gütlichen Arrangement mit den nationalsoziali¬ 
stischen Machthabern an der Saar, so deuteten einzelne Ereignisse doch an, daß 
der Freiraum, den die Nationalsozialisten dem saarländischen Teil des Bistums 
Trier und des Bistums Speyer gelassen hatten, allmählich, aber doch merklich, zu 
schrumpfen begann1. Im Amtsanzeiger vom 15. Februar 1935 veröffentlichte Bi¬ 
schof Franz Rudolph Bomewasser vier Wochen nach der Saarabstimmung ein 
Dankschreiben an die Gläubigen zu ihrem glänzenden Bekenntnis ihrer 
vaterländischen Treue. Noch glaubte der Bischof, daß "die Rechte Gottes und 
seiner heiligen Kirche mit den Rechten des Staates in harmonischem Neben- und 
Miteinander zum Wohle des ganzen deutschen Volkes sich auswirken" könnten, 
denn die Saarländer hätten der Welt gezeigt, "daß Deutschtum und Christentum 
keine Gegensätze"2 seien. 
Mit dieser Auffassung stand Bomewasser noch ganz auf dem Boden der Loyali¬ 
tätsbekundung der deutschen Bischöfe vom 28. März 1933, die wiederum auf Hit¬ 
lers Zusicherung vom 23. März 1933 vor dem Reichstag zur Wahrung der kirchli¬ 
chen Rechte beruhte; und nicht zuletzt fußte seine Darlegung auf dem Glauben an 
eine gute Zusammenarbeit von Staat und Kirche aufgrund des Reichskonkordats 
vom 20. Juli 1933: "Die nationalsozialistische Regierung sieht in den beiden 
christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. 
Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektie¬ 
ren; ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Die nationalsozialistische Regie¬ 
1 Vgl. F. Pauly, Zur Kirchenpolitik des Gauleiters J. Bürckel im Saargebiet, S. 414-453, F. Jacoby, Herr- 
schaftsübemahme, S. 189-194. Zu den Rückwirkungen der Saarabstimmung auf Reichsorganisationen 
s. den Gestapobericht über Zusammenkünfte der Anhänger des Friedensbundes Deutscher Katholiken v, 
29.8.1935, abgedr. bei G. Buchstab, B. Kaff, H.-O. Kleinmann (Hg.), Verfolgung und Widerstand, S. 
148. Th. Wagner, Zwischen Staatstreue und Resistenz, S. 131-145. Aktenmat. diesbez. im AB Trier, 
Abt. 59, Nr. 49. 
2 AB Speyer, B 1, A-XV-15, Bl. 71; im gleichen Sinne Bl. 77 u. 83. H. Prantl, RPB (v. 9.2.1935), S. 64f. 
Ebenso der Hirtenbrief Bornewassers an die Bewoliner des Saargebietes v. 1.3.1935: H. Müller, Kath. 
Kirche, Nr. 130, S. 316. 
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