Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Das Haus umfaßte: 
1 Wohnküche (14 qm), 
1 Elternschlafzimmer (15-18 qm), 
2 Kinderschlafzimmer (10-14 qm), dazu 
1 Schweine- und Ziegenstall, 
1 Hühnerstall, 
1 überdachter Arbeitsplatz 
sowie Bodenraum für Heu und Futtervorräte; 
das Ganze überdachte ein hohes Giebeldach9. 
Die Kosten eines solchen Siedlungshauses einschließlich des lebenden und toten 
Inventars (Schweine, Ziegen, 10 Hühner, Bepflanzung des Gartens) sollten sich 
auf 4500 RM belaufen, eine Summe, deren Geringfügigkeit von NS-Seite entspre¬ 
chend herausgestellt wurde. Die Finanzierung selbst umfaßte eine erste Hypothek 
von 2250 RM, zu 5,5% verzinst und getilgt, - demnach 123,75 RM Zins und Til¬ 
gung pro Jahr; die zweite Hypothek betrug 1350 RM, mit 5% Zins und Tilgung , 
also 67,50 RM/Jahr. Die dritte Hypothek (Arbeitgeberdarlehen) betrug 450 RM, 
mit 2% verzinst und getilgt, gleich 9 RM/Jahr. Hinzu kamen 450 RM aus der 
"Josef-Bürckel-Spende", zinslos und mit 2% zu tilgen. Ein Siedler hatte für Zins 
und Tilgung im Monat ca. 20 RM aufzuwenden, so daß Haus und Land in 30-40 
Jahren in sein Eigentum übergingen10. Gleichzeitig sollte durch die entsprechend 
vorgegebene Planung sichergestellt sein, daß sich der Siedler zu einem Teil durch 
Frühemte, Milch, Eier und Fleisch selbst versorgen konnte. 
Die Zuweisung für die Inanspruchnahme des Programms erfolgte durch die Ge¬ 
meinde11, wobei ab sofort Interessenten in einer losen Organisation in der Bewirt¬ 
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Aus Kostengründen entfiel bei den ersten Häusern der Keller. Vgl. J.W. Ludowici, Reichsplanung und 
Siedlung, S. 139-145. Vgl. H. Röchling, Industrie und Siedlung (o.S.). 
10 Zur Finanzierung von Eigenheimen vgl. S.L.Z. Nr. 207 v. 2.8.1935: "Reichsbaudarlehen für 
Eigenheime". Für den Eigenheimbau an der Saar hatte zu diesem Zeitpunkt die Reichsregierung 
700,000 RM zur Verfügung gestellt u. dies entsprechend propagandistisch ausgewertet. Im Mai bereits 
war für eine "Instandsetzungsaktion" von 11. Mill. RM die Rede. Allerdings hatte das Reich schon 
1934 die Bürgschaft auf Kleinsiedlungshäuser im Saargebiet übernommen. Am 4.5.1934 gab Bürckel 
OB Neikes in Neustadt die Zusicherung von Geldern für Siedlungen von saarl. Kriegsteilnehmern. 
StadtA Saarbrücken, Best. Großstadt, Nr. 2.872. Zu bes. Erleichterungen für Siedler in Saarbrücken s. 
NSZ-Rheinfront Nr. 92 v. 18.4.1935: "Kampf dem Wohnungselend". Kosten der Klein- u. Gruppen¬ 
siedlung in der Niederschrift zur Bürgermeisterdienstversammlung v. 29.7.1935. LA Saarbrücken, 
Best. Riegelsberg, Nr. 120/10. Zwischen 1940 u. 1944 gingen die Reichszuschüsse zur "Besserung der 
Wohnverhältnisse in den Grenzgebieten gewaltig zurück. Vgl. dazu die "Übersicht der Gauwohnungs- 
kommission über die Zuteilung u. Weiterleitung von Reichsmitteln für die Besserung der Wohnungs¬ 
verhältnisse durch Förderung baulicher Maßnahmen in vorhandenen Gebäuden. Arch. dep, de la 
Moselle, anc. 1 AR 76. 
11 
Das Ausleseprinzip war somit vorprogrammiert. In diesem Zusammenhang ist auch die Forderung der 
Reichsjugendführung vom Juli 1937 nach der Errichtung von HJ-Heimen in Neusiedlungen (pro 100 
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