Volltext: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

von Nordenfalk seit dem 1. Februar ausgeschieden, was die Kosten bereits gesenkt 
hatte. 
Daß man sich vor allem in sozialistischen Emigrantenkreisen Hoffnung auf eine 
Verlängerung der Garantien über das Ablaufdatum des Bestehens des OAGH 
machte, geht aus der Eingabe der Beratungsstelle für Saaremigranten in Forbach 
beim Generalsekretär des Völkerbundes (Avenol) vom Januar 1936 hervor33, ähn¬ 
lich der Resolution der Jewish Board of Deputies (Vereinigung der Auslandjuden 
in Großbritannien) ein Jahr vorher zu dem nur einjährigen Minderheitenschutz an 
der Saar; sie hatten damals bereits beklagt, daß mit der "Schonfrist" im Saarland 
das Problem der Verfolgungen durch das Naziregime verschoben, aber nicht auf¬ 
gehoben sei34. Mit solchen Resolutionen sollte über den Stichtag (29. Februar 
1936) hinaus die Bestimmungen der Zuständigkeit des OAGH in den Genfer Ab¬ 
reden und im Römischen Abkommen verlängert werden. Eingedenk der von na¬ 
tionalsozialistischen Vertretern immer wieder ausgesprochenen Drohungen in Be¬ 
zug auf politische Verfolgungen wurde nach konkreten Lösungen (Schaffung einer 
Schiedsinstanz für die Zeit nach dem 1. März 1936, allgemeine Amnestie, Offen¬ 
haltung der Grenzen der Aufhahmeländer, Ausstellung von Nansen-Pässen) ge¬ 
sucht. 
Die norwegische Tageszeitung, "Aftenposten"35, die zum Abschluß der Tätigkeit 
des OAGH seinem Bestehen in ehrenvoller Weise gedachte, stellte seine Verdien¬ 
ste auf juristischem und politischem Gebiet als vorbildlich heraus. Während seiner 
zweiten Periode (1. März 1935 - 31. März 1936; hier mit Stand vom 23. März 
1936) seien dem Gericht ca. 400 Rekurse vorgelegt worden, die zusätzlich der 
noch anstehenden wohl bis Ende März erledigt würden. Das Blatt stellte besonders 
die Mitwirkung des norwegischen Richters Reimers heraus, der "durch seine Ar¬ 
beit ... (im Gericht) in hervorragendem Maße nordische Rechtskultur und nordi¬ 
sches Rechtsgefühl vertreten" habe; gleichzeitig habe auch der deutsche Staatsver¬ 
treter Welsch in hohem Grade zu einer glücklichen Lösung der Aufgaben des Ge¬ 
richts beigetragen, eine Auffassung die auch Galli in seinem Abschlußbericht ver¬ 
trat. Auch die Deutsche Regierung war mit dem Ergebnis der 13monatigen Tätig¬ 
keit des Gerichts durchaus zufrieden und ließ in einem Schreiben am 26. Mai 1936 
über die deutsche Botschaft in Rom Galli ihren Dank aussprechen, sei es doch 
33 Meldung der Deutschen Botschaft an das AA v. 24.1.1936, Veröffentlichung im "Pariser Tageblatt" v. 
24.1.1936; der deutsche Vertreter beim OAGH an den RuPMdl v. 27.1,1936. AA..betr. Pol. Angele¬ 
genheiten, adh.- Emigranten, Bd. 5. Siehe VII. Kap. 1. 
34 Resolution v. 20.1.1935 an Premierminister MacDonald, Außenminister John Simon und den 
Generalsekretär des Völkerbundes: "In view of the result of plebiscite in the Saar and the fact that the 
German Government is willing to refrain for only one year from racial and religious discrimination, this 
Board expresses its deep sense of disappointment at the inadequacy of the safeguards for the rights of the 
Saar minority." Manchester Guardian v. 21.1,1935 u. Sehr, der Deutschen Botschaft London an das AA 
v. 21.1.1935 zur Veröffentlichung des Manchester Guardian v, 21.5.1935. AA,.betr. Abstimmung im 
Saargebiet adhoc III, Garantieabkommen, Bd. 1. 
3" Aftenposten Nr, 152 v. 23.3.1936. AA.,betr. Abstimmung adh. III, Garantieabkommen, Bd. 3. 
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