Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

sung sozial gefährdeter Kinder" hingestellt und nicht als eine neue "Organi¬ 
sation"77. 
Das Ziel des NS-Frauenwerks und der NS-Frauensehaft lag vor allem in der 
Schulung der Frauen im Haushalt, in der Kindeserziehung, Krankenpflege und 
Handarbeit. Um "vorausblickend" die Einsatzmöglichkeiten der Frauen noch zu 
erhöhen, wurden in den folgenden Jahren zahlreiche entsprechende Regelungen 
getroffen, wie die Aufhebung des Arbeitsverbots für die Frauen der Wehr- und Ar¬ 
beitspflichtigen (1937), die Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für 
Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung (22. Juni 1938), die Einfüh¬ 
rung der Arbeitsdienstpflicht für ledige Frauen und Mädchen zwischen 17 und 25 
Jahren (4. September 1938), das obligatorische "Pflichtjahr" für Mädchen für den 
Einsatz in kinderreichen Familien oder auf überlasteten Bauernhöfen (23. Dezem¬ 
ber 1938), die Einführung des sechsmonatigen Kriegshilfsdienstes im Anschluß an 
den RAD (15. August 1941), die Meldepflichtverordnung für die Aufgabe der 
Landesverteidigung für Frauen zwischen 17 und 45 Jahren (27. Januar 1943) oder 
der Aufruf zur Meldung von Frauen vom 45. bis 50. Lebensjahr. In den Kriegsjah¬ 
ren übernahmen sie auch die Betreuung und Pflege von Verwundeten. Auch be¬ 
züglich des Arbeitseinsatzes der Frauen in Industrie und Handwerk fanden die 
Nazis immer neue Möglichkeiten und begründeten dies mit besonderen biologisch 
bedingten "Leistungsvoraussetzungen"78. 
NSV 
Eine dieser sozialen Tätigkeit ähnliche Funktion übte der der Partei angeschlosse¬ 
ne Verband der NSV aus, der ebenfalls viele Frauen in die staatlich gelenkten 
Dienste einspannte. Am 15, Mai 1935 wurde im Saarland mit einem Aufruf Ley- 
sers "die NSV-Volkswohlfahrt" eingeführt; als ihr Ziel nannte er, "den Sozialis¬ 
mus der Tat"79 zu verwirklichen und "den Kampf gegen Not und Elend voranzu¬ 
treiben" bis zu deren letzter Vernichtung80. Die NSV sollte als Kampffront gegen 
alle Erscheinungsformen des Elends mithelfen, "ein gesundes und starkes Volk" 
heranzuziehen. Dabei wurde die rückgegliederte Saar stets als eine durch 15jährige 
Abtrennung vom Reich verelendete und verarmte Region hingestellt. Aufrufe zu 
Aktionen wie der Kinderlandverschickung, der Erholung für bedürftige Mütter 
oder der Ausbesserung von Baracken und Notstandswohnungen folgten; Spenden¬ 
aktionen wurden durchgeführt, wobei das Geben geradezu als Pflicht verordnet 
wurde. Zeitweise liefen diese Vorhaben in Verbindung mit dem Winterhilfswerk. 
Der Gesamtaufbau der NSV entsprach dem der Partei mit Hauptamtsleitung in 
Berlin (Leiter: der gebürtige Saarländer Hilgenfeldt, zuerst im Reichstagsgebäude, 
77 
Sehr. d. Reichskommissars. LA Saarbrücken. Best, Kreisschulamt Saarlouis, Nr.6 u. Sehr, d. Reichsk., 
Abt.III, v. 5.10.1935. Ebd. Nr. 1. 
78 
Vgl. K. Lander, Frauenbild, Frauenpolitik und Frauenarbeit im Nationalsozialismus, in: Zehn statt tau¬ 
send Jahre, S. 115-128. 
79 
Vgl. "Sozialismus der Tat". F. d. Inh. verantw. H. Nietmann, Saarbrücken 1934. 
80 
NSZ-Rheinfront Nr. 115 v. 17.5.1935. 
379
	        
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