Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

lung als Badeort gestört, gegen Kaiserslautern spreche dessen Grenzlage67. Doch 
im RMdl vertrat man inzwischen die Auffassung, daß die ganze Aktion mehr von 
Bürckel gelenkt als aus Eigeninitiative des Neustadter Bürgermeisters geschehen 
sei68. 
Hoffnungen auf einen Gau Kurpfalz machte sich auch der im März 1935 nur un¬ 
gern aus Hessen scheidende künftige Regierungspräsident in Saarbrücken, Ph. W. 
Jung, der in seinen "Erinnerungen" die Hoffnung auf baldige Rückkehr ausdrückt, 
"denn Bürckel ... äußerte, daß bei der nächsten neuen Gau- und Ländereinteilung 
Hessen südlich des Mains zum Gau Kurpfalz kommen werde"69. 
Die endgültige Entscheidung, ob Neustadt Sitz der Gauleitung bleiben werde oder 
nicht, war Mitte März 1935 noch nicht gefallen. Demgemäß riet die Gauleitung 
auch von infrastrukturellen Maßnahmen vorerst ab70. Die Erörterungen bezüglich 
der künftigen Reichsreform waren zwar inzwischen durch Hitler verboten worden, 
doch bemühte man sich in Neustadt weiterhin in dieser Angelegenheit, nun aller¬ 
dings unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Entwicklung der Westmark. 
Die kleinere Lösung hieß daher, Neustadt als Sitz der Gauleitung zu belassen; und 
so versuchte Lederle Anfang März, die von Bürckel bereits früher erhaltene dies¬ 
bezügliche Zusicherung von der Parteileitung (Braunes Haus) in München bestä¬ 
tigt zu bekommen. 
Bürckels Absicht im Frühjahr 1938, Ludwigshafen zum Sitz der Gauleitung zu 
machen, kam nie zum Tragen; schließlich gingen diese Überlegungen nur im Zuge 
der Idee einer Reichsreform mit einer eventuellen Zusammenlegung der Speyerer 
Regierung und der Behörde des Reichsstatthalters ebenfalls in Ludwigshafen ein¬ 
her, und dazu fehlte aus München und Berlin der nötige Rückhalt bzw. erledigten 
sich solche Überlegungen mit der Ernennung Saarbrückens am 15. September 
1940 durch Bürckel zur "Gauhauptstadt und Aufbaustadt" von selbst. 
Die künftige Entwicklung legte bekanntlich die Reichsreform und damit die Frage 
des endgültigen Standortes der Gauleitung ad acta, ebenso die Gaugründung 
"Kurpfalz". Der Gau Rheinpfalz dagegen erhielt die Saar hinzu, und Neustadt 
blieb Sitz der Gauleitung bis Kriegsende. Eine Einheit von staatlicher Verwaltung 
und deckungsgleicher Parteigau-Verwaltung in Saarbrücken hat nie zur Debatte 
gestanden. 
67 Sehr. v. 26,1.1935. Siehe die Denkschrift der Stadt Neustadt vom 9.2.1935. StadtA Neustadt, Nr. 4.017 
L, 1771. Auch Dürkheim käme noch in Frage, doch werde damit seine Entwicklung als Badeort gestört; 
gegen Kaiserslautem spreche dessen Grenzlage. 
68 Vermerk v. 6.3.1935. BA Koblenz, Best R 18 Nr. 389. 
69 
"Erinnerungen Ph. W. Jung, 1930-45". Hess. StaatsA Darmstadt, Abt 0 31 (Pak. unverz.). 
70 
Sehr. M. Bormanns, München, an das Bürgermeisteramt Neustadt v. 18.3.1935. Ebd 
359
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.