Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

haltung bei der Mitgliederaufnahme deklarierte er nun als falsch, "die überwälti¬ 
gende Mehrheit mit Mißtrauen" zu behandeln, als irrig, und er ging so weit zu 
fordern, "wer mir von den Parteiführern nicht auf diesem Wege folgen kann, der 
mag die Konsequenzen ziehen"59. Künftig sollte die Mitgliedsnummer an der Saar 
keine qualitative Bedeutung mehr haben, sondern nur eine technische. Wer also 
seine Mitgliedskarte erst in einem Jahr bekomme, sei so wertvoll wie einer, der sie 
schon einige Jahre besitze. "Ewige Rache üben, ist gewiß nicht der Bestandteil 
einer anständigen Gesinnung. Als Voraussetzung verlange ich nur ehrenhafte Hal¬ 
tung, unbedingte Disziplin und den Willen zum Zusammenhalt, wie er einst um 
die Tage des 13. Januar vorhanden war."60 
Als eine Schutzbehauptung für spätere Aufnahmeverweigerungen befaßte er sich 
anschließend noch mit den Auswirkungen des römischen Abkommens. Er wies die 
Auffassung als falsch zurück, daß dieses Abkommen jetzt am 1. März ablaufe und 
daß damit auch die Entlassung der Status quo-Anhänger erfolgen müsse. Das Ab¬ 
kommen bleibe vielmehr in Kraft. Lediglich das Oberste Abstimmungsgericht 
werde verschwinden. Es sei bekannt geworden, daß einzelne bestellte Provokateure 
nach dem 1. März Angriffe auf einzelne Status quo-Anhänger unternehmen woll¬ 
ten, um dadurch Deutschland Unannehmlichkeiten zu bereiten. Wer in dieser 
Frage die notwendige Disziplin verletze, können niemals darauf rechnen, in die 
Nationalsozialistische Partei aufgenommen zu werden. 
Die Verwirklichung dieser Proklamation Btirckels vom 29. Februar 1936 ließ aber 
noch bis zum 6. Juni auf sich warten. Erst dann veröffentlichte die Gauleitung die 
entsprechenden Richtlinien über die Aufnahme von Angehörigen der Deutschen 
Front in die NSDAP61. Danach hatten alle ehemalige Angehörige der Deutschen 
Front ab dem 18. Lebensjahr die Möglichkeit, die Parteiaufnahme zu beantragen62. 
Unter Beachtung der Aufhahmemodalitäten, der entrichteten Gebühr und eines 
eventuellen Werbebeitrages entsprechend der wirtschaftlichen Lage des einzelnen 
galt diese Regelung auch nur bis zum 1. Juli 1936. Nach diesem Zeitpunkt galt 
wieder die allgemeine Mitgliedersperre. Diese Maßnahmen Bürckels nach einem 
Jahr NS-Herrschaft an der Saar lassen massive innere Schwierigkeiten vermuten. 
Der Ansturm auf die Parteimitgliedschaft hatte nachgelassen, die Verdienste alter 
Parteigenossen waren nicht durch entsprechende Ämterzuteilungen anerkannt 
worden, und die wirtschaftlichen Versprechungen hatten sich nicht erfüllt, so daß 
bereits zu diesem Zeitpunkt eine gewisse Ernüchterung der Saarbevölkerung nach 
dem "Heim ins Reich"-Enthusiasmus konstatiert werden kann. 
Bliebe noch die Frage zu klären, inwieweit Saarbrücken als Sitz von Bürckels 
Reichskommissariat die Chance gehabt hatte, auch den Sitz der Gauleitung zu er¬ 
halten, zumal anläßlich einer Besprechung am 14. November 1935 im Reichsin- 
nenministerium bei einer Diskussion über die Notwendigkeit des Neubaues eines 
59 NSZ-Rheinfront Nr. 51 v. 29.2.1936. 
60 Ebd. Nr. 51 v. 29.2.1936. 
61 S.Z. Nr. 152 v. 6.6.1936. 
62 Gemäß den Voraussetzungen des Gauleiters in der NSZ-Rheinfront Nr. 51 v. 29.2.1936. 
357
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.