Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Saarbrücker Personal zu "Kaiserslautern" zählte. Die Personalzuteilung, wie sie 
für die neuen Regelungen mit der Verfügung vom 15. August 1940 vorgesehen 
war, dürfte bereits Wochen vorher für die Kaiserslautemer Behörde konzipiert 
worden sein und fand nun ihre Anwendung auf die Behörde in Saarbrücken; so 
trägt die Geschäftsordnung am Schluß das Datum vom 12. Juni 1940 
(Kaiserslautern), wobei der 15. August sicherlich nachträglich hinzugesetzt wurde. 
Die zahlenmäßige Besetzung der Behörde mit Personal aus den Dienststellen 
Speyer und Kaiserslautern (Saarbrücken) kann unter Umständen einen vorsichti¬ 
gen Einblick in die derzeitige Gewichtung der Dienststellen liefern. Dies könnte 
ein Indiz für das gespannte Verhältnis Bürckels zur Speyerer Regierung sein42; 
vielleicht mußte diese Behörde, die in den letzten Jahren die Interessen Bayerns 
auch gegenüber dem aufgestiegenen Parteigenossen Bürckel vertreten hatte, nun 
für gewisse Behinderungen seiner Machtausweitung in der Stellenbelegung zu¬ 
rückstecken. In Speyer verblieb eine Rumpfbehörde; mit Ausnahme von ORR 
Clemens, Reg.Dir. Wenner war im April 1940 ausgeschieden, wurden jedoch alle 
Speyerer Beamte von Bürckel übernommen. Sollte man in Speyer unter Umstän¬ 
den eine Aufwertung bzw. Aufstockung erwartet haben, so war dies nicht der Fall; 
und letztlich war das pfälzische Übergewicht in Bürckels Saarbrücker Behörde seit 
März 1935 ja bekannt. Von insgesamt ca. 593 Stellen entfielen 575 auf die bishe¬ 
rigen Dienststellen in Speyer und Kaiserslautern (Saarbrücken), im einzelnen; 
Stellenzuteilung der Behörde des Reichskommissars für die Saarpfalz 
(ab 2. September - Saarbrücken) 
Beamte u. Angestellte des 
höheren Dienstes 
Bürobeamte und 
Angestellte 
Schreib- und 
Hilfskräfte. 
Kaiserslautem 65 
Kaiserslautem 210 
Kaiserslautem 89 
(Saarbrücken) 
(Saarbrücken) 
(Saarbrücken) 
Speyer 48 
Speyer 126 
Speyer 37 
Deutlich zu erkennen ist der geringere Stellenanteil der Speyerer Behörde; das 
gleiche Bild zeigt sich beim Vergleich der Abteilungsleiterstellen bzw. bei den Un¬ 
terabteilungen. Kaiserslautern/Saarbrücken: Abt. I Reg.Dir. Binder; Abt. II 
Reg.Dir. Wambsganß; Abt. V Reg.Dir. Binder; Bezirksverwaltungsgericht ORR 
Gilch; Dienststrafkammer b.a.w. Reg.Dir. Binder; Bezirkswirtschaftsamt RR Bö- 
sing; Landesemährungsamt Landesbauemführer Bonnet; hinzu kommt die fast 
doppelt so hohe Belegung der Unterabteilungen mit Personal aus der Kaiserslau¬ 
temer Behörde. Speyer; Generalreferat Haushaltsangelegenheiten Reg.Dir. Born, 
der auch gleichzeitig Abt. VII Vorstand; Abt. IV Reg.Präs. Barth, allerdings vorher 
Saarbrücken; Abt. III Reg.Dir. Obö, bisher Saarbrücken und Abt. VI OBauRat 
Weber, Ludwigshafen. Damit waren nahezu die wichtigsten Stellen in Händen von 
Beamten und Angestellten der Behörde aus Kaiserslautem/Saarbrücken; Unterab¬ 
42 Vgl. V. Rödel, Die Behörde, S. 308. 
322
	        

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