Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

stellen, und es war bei etwa zwei Drittel der Stellen eine Neubesetzung erfolgt44. 
Zwar waren von Bürckel in der Presse harmlose Gründe vorgeschoben worden, die 
Neubesetzung zeigte aber die klare Tendenz, bisherige Amtsinhaber durch 
"linientreue" Genossen zu ersetzen45. Bisweilen scheint der Nachfolger dann aber 
die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt zu haben, so daß er bald darauf wie¬ 
der abgelöst wurde oder ein Stellentausch vorgenommen wurde; so z.B. die Erset¬ 
zung des Riegelsberger Bürgermeisters Heinrich Ahrens am 11. Januar 1936 durch 
den Bürgermeister von Bous, Fritz Wüsten, während Ahrens zur Bürgermeisterei 
Bous versetzt wurde und Wüsten, dem 1937 die Aufnahme in die NSDAP verwei¬ 
gert wurde, bereits am 1. November 1937 pensioniert und Dr. E. Christmaim zum 
Nachfolger ernannt wurde46. Somit hatte die Verwaltungs- und Neuorganisation 
den Gemeinden nicht nur ein verändertes äußeres Gesicht gegeben, sondern vor 
allem Veränderungen im personellen Bereich gebracht; die führende Rolle der Par¬ 
tei in allen Lebenslagen hatte sich bis in die unterste Verwaltungsebene fortgesetzt. 
In den folgenden Monaten wurden bereits vielerorts Um- und Eingemeidungen an 
der Saar vorgenommen, wobei der 1. Jahrestag der Saarabstimmung als besonderer 
Stichtag für diese Neuordnungen herhalten mußte47. Wie sehr das nationalsoziali¬ 
stische Gedankengut auch in äußeren Erscheinungsformen zum Ausdruck kam, 
zeigte z.B. die Schaffung des neuen, großen Gemeinwesens um Saarlouis am 13. 
Januar 1936. Keine neue Großstadt sollte entstehen, nicht lediglich eine Einge¬ 
meindung der umliegenden Orte (Lisdorf, Schönbruch, Picard, Fraulautern), son¬ 
dern "ein neues Kraftzentrum", "die Gründung einer neuen deutschen Stadt an der 
Saar"48, Das neue Projekt entsprach ganz der neuen Deutschen Gemeindeord¬ 
nung49, und zur Tilgung des "äußeren Zeichens der Fremdheit"50 taufte Reichsin¬ 
44 NSZ-Rheinfront Nr. 9 v. 11.1.1936: "Der Aufbau der Gemeinden" von Karl Barth. 
45 Zu den neuen Anforderungen bei der kommunalen Neugestaltung s. S.L.Z. Nr. 96 v. 8.4.1935: "Die 
kommunale Neuordnung des Saarlandes". Das Amt für Kommunalpolitik in der Gauleitung Saarpfalz 
leitete Gauamtsleiter (später Gauhauptamtsleiter) R. Imbt. Zu dessen Laufbahn s. H. Prantl, RPB, S. 
XXXIX, Anm. 91. 
46 Ortschronik Riegelsberg, S. 213f. 
47 S.Z. Nr. 25 v. 26.1.1936: "Von Gemeinden, Ämtern und Einwohnern im Saarland." Namensänderun¬ 
gen z.B.: Bous in Buß, Beaumarais in Schönbruch. Im April 1936 erfolgte die Zusammenlegung von 
Fraulautern, Lisdorf, Schönbruch und Picard mit Saarlouis zur Stadt Saarlautem, die Eingliederung von 
Pachten zu Dillingen, von Erbach-Reiskirchen zu Homburg Weitere Änderungen im Bestand der 
Gemeinden: Amtsblatt des Reichskommissars für die Rückgliederung des Saarlandes, Bekanntmachung 
v. 15.1.1936, Nr. 3, S. 17; Nr. 19, S. 197; Nr. 25, S. 282f. Noch größere Umgliederungen erfolgten An¬ 
fang 1937, ebenso zahlreiche Änderungen des Gemeindenamens: Amtsblatt 1937, S. 7f. Wenige 
Umgliederungen (nur im Kreis Merzig und Saarlautem) erfolgten 1938: Amtsblatt 1938, S. 6. Zum ge¬ 
samten Stand 1937/38 s. Amtsblatt für den Gau Saarpfalz 1937/38,2. Teil, S. 46-151. 
48 Ebd Nr. 6 v. 8.1.1936 u. Nr. 27 v. 1.2.1936: "Die Geschichte einer Stadt". 
49 
"Ein geistiges Bollwerk an der Westgrenze”. NSZ-Rheinfront Nr. 8 v. 10.1.1936: "Eine geschichtliche 
Stunde". 
50 Ebd. Nr. 11 v. 14.1.1936. 
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