Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Sozialistische Partei, trotz der Zusammenkünfte der SPD (Max Braun u. Dr. Sen¬ 
der) und der SSP (Wilh. Kramer) Anfang Januar 1934 im lothringischen Forbach, 
und dies auch nur im kleinen Kreise unter Ausschluß der KPD. 
Unter der umfassenderen Bezeichnung "Freiheitsffont " war jene lockere Parteien¬ 
koalition zu verstehen, die geschlossen worden war, um für eine bestimmte Zeit 
den Abstimmungskampf zu führen, zu einem bestimmten Zweck für den Status 
quo zu werben und gemeinsam den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Doch blie¬ 
ben die Parteien weiterhin selbständig, mit eigenen Organisationsformen und ei¬ 
genem politischem Programm. Die "Freiheitsffont" umfaßte die "Einheitsfront" 
zusammen mit der Saarländischen Wirtschaftsvereinigung (SWV, gegr. am 21. 
Oktober 1933 in Saarlouis, zunächst geleitet durch Dr. med. Jakob Hector, Bür¬ 
germeister von Saarlouis und Mitglied der Reko) und der Saarländischen Sozia¬ 
listischen Partei (SSP, erst im Mai 1933 gegründet, mit ihrem Vorsitzenden Max 
Waltz)17; hinzuzurechnen wären noch die Freien Gewerkschaften und die Opposi¬ 
tion ehemaliger Zentrumsanhänger um Johannes Hoffinann, der "Deutsche Volks¬ 
bund für christlich-soziale Gemeinschaft"18. 
Eine recht geringe Rolle, sicherlich lange Zeit in ihrer Bedeutung überschätzt, 
spielten die global und propagandistisch so bezeichneten frankophilen Gruppen, 
wie der Saarbund, die Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung saarländischer Interes¬ 
sen, die SWV, die SSP oder die Liga für Menschenrechte (in beiden arbeitete Max 
Waltz mit) u.a.. Sie hatten weder in ihrer Mitgliederstärke noch in ihren Aktivitä¬ 
ten, noch in ihrer finanziellen Unterstützung durch Frankreich die Bedeutung, die 
ihnen von den Nationalsozialisten gern unter der Zielsetzung einer französischen 
Annexionspolitik unterstellt wurde. 
Doch unter der Parole "Für Deutschland, gegen Hitler!" konnte die "Einheits¬ 
front", die zu keinem Zeitpunkt die strafte Organisation der Deutschen Front er¬ 
reichte, nur dann Erfolg haben, wenn es im nächsten halben Jahr gelang, das Sta¬ 
tus quo-Modell auf eine überzeugende und zukunftsweisende Basis zu stellen. Der 
Plan zur Verschiebung der Volksabstimmung um ca. fünf Jahre, der auf der An¬ 
nahme von der Kurzlebigkeit des Nazi-Regimes basierte, entfiel, seit der Völker¬ 
bundsrat am 4. Juni 1934 die Durchführung der Abstimmung auf den 13. Januar 
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SSP im Mai 1933 gegr. unter Führung von Max Waltz (1922 aus der KPD ausgeschlossen, da er grö¬ 
ßere Geldbeträge von der Saarregierung genommen habe, "um den Versuch zu machen, die Politik der 
Partei in dem von der Saarregierung gewünschten Sinne zu beeinflussen": A.Z. Nr. 114 v. 7.6.1922. 
Ebenso Saarbrücker Zeitung Nr. 148 v, 8.6.1922). Ausführlicher im I. Kap. 5.3. Ende 1933 wurde 
Waltz aus der SSP ausgeschlossen. Eine offizielle Anerkennung der Zugehörigkeit der SSP zur Ein¬ 
heitsfront von SPD und KPD blieb ihr auf Landesebene versagt. Vgl. hierzu ihre entspr. Klage in einem 
Flugblatt (o. Dal, wahrschein], kurz nach der Gründung der Einheitsfront): abgedr. bei P. Lempert, 
"Das Saarland den Saarländern!", S. 495, Am besten funktionierte die Zusammenarbeit von SSP, KPD 
und SWV wohl auf Ortsebene bzw. in einem "überparteilichen Massenselbstschutz", wie der am 
11.9.1934 gegr. "Antifaschistischen Einheitstruppe". 
18 Vgl. P. Lempert, "Das Saarland den Saarländern!", S. 491-500 u. M. Zenner, Parteien, S. 314-316. 
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