Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

gebnisse des oben genannten Projekts, der für Herbst 1994 angekündigt ist, ausführlich 
abgehandelt werden wird. Ferner bleibt die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ausge¬ 
klammert; im Rahmen eines Unterkapitels werden lediglich die wirtschaftlichen 
Aspekte der Propaganda vor und nach der Rückgliederung aufgezeigt. 
Sicherlich gelten auch für die Saar nach dieser jahrelangen "Zurückhaltung" bei der 
Bearbeitung von NS-Themem die erschwerten Bedingungen einer "Vergangenheits¬ 
bewältigung", sofern darunter aufklären, aufhellen, aufdecken, öffentlich darlegen und 
werten verstanden wird und nicht verschweigen, vertuschen, nachträglich rechtfertigen 
oder relativieren*. Die Forschungsarbeit wird durch die großen Quellenverluste für 
diesen Zeitabschnitt saarländischer Geschichte nicht gerade erleichtert. So sind etwa die 
Akten der Gauleitung Saarpfalz (später: Westmark), ebenso wie von Trier-Koblenz 
(später: Moselland), größtenteils nicht mehr verfügbar; dies gilt auch für die Akten des 
Reichskommissars für das Saarland (später: Reichsstatthalter in der Westmark), 
ausgenommen geringer Überlieferungssplitter im Landesarchiv Saarbrücken, im 
Landesarchiv Speyer und im Archiv des Départements de la Moselle in Metz. Die 
Akten der Regierungspräsidenten in Trier und in Speyer zeigen gleichfalls schwere 
Verluste. Weitere Quellen für Saarbetreffe sind die in verschiedenen staatlichen, 
kommunalen, kirchlichen und privaten Archiven lagernden Akten, auch diese 
größtenteils bruchstückhaft, ungeordnet und schwer zugänglich. Ausgeklammert blie¬ 
ben die Archive in der ehemaligen DDR, da die Arbeit größtenteils vor der Wende im 
Herbst 1989 entstanden ist. 
Aufgrund dieser Quellenlage waren für die zu bearbeitenden Themen zahlreiche Nach¬ 
forschungen in Archiven, Bibliotheken und Behörden in der Bundesrepublik Deutsch¬ 
land, Frankreich und Luxemburg erforderlich. Dieser Umstand erschwerte schon rein 
technisch die Bearbeitung verschiedener Sachbereiche, so daß vieles fragmentarisch 
bleiben mußte und bei einer weiteren thematischen Eingrenzung vertieft und erweitert 
werden sollte. 
Aktenlücken versucht der Autor durch entsprechende Belege in zeitgenössischen Zei¬ 
tungen und Zeitschriften unter Berücksichtigung der propagandistischen Darlegung zu 
schließen; das gleiche gilt für Gesetze, Verordnungen und amtliche Bekanntmachun¬ 
gen, die allerdings keine Aufschlüsse über Motive, Wirkungen und Reaktionen geben. 
In Einzelfällen konnten hier Aussagen von Beteiligten weiterhelfen. Einschränkend 
muß jedoch festgestellt werden, daß aufgrund des zeitlichen Abstandes von 50 und 
mehr Jahren die Aussichten gering waren, mit Methoden der Oralhistory noch zu gesi¬ 
cherten Erkenntnissen zu gelangen. 
Vgl. hierzu den sogenannten Historikerstreit in der Bundesrepublik Deutschland, ausgelöst durch die 
Veröffentlichung des Historikers und "Faschismusforschers" Emst Nolte Anfang Juni 1986 in der FAZ 
("Vergangenheit, die nicht vergehen will") und die Gegenargumentationen des Philosophen Jürgen 
Habermas im Juli 1986 in der "Zeit" ("Eine Art Schadenabwicklung"); Grundthematik, - ob die 
Verbrechen des NS-Regimes "singulär" gewesen seien. E. Nolte, Vergangenheit, in: Augstein R., 
Bracher K.D., Broszat M., u.a.: Historikerstreit, S. 39-47. 
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