Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

mit Lebensmitteln aus Ostfrankreich; ebenso gingen bis zu diesem Zeitpunkt 
saarländische Industriegüter nach Frankreich. 
Am Vormittag des 16. Februar wurde in Genf endgültig festgestellt, daß der vom 
Reich favorisierte und inzwischen schon rein zeitlich überholte Rückgabetermin 
15. Februar ad acta zu legen sei. Somit mußte das Mandat des Saarausschusses 
über den 15. Februar hinaus verlängert werden. Gemäß der Entscheidung des Ra¬ 
tes vom 17. Januar hatte der Ausschuß ja die mit der Rückgliederung zusammen¬ 
hängenden Fragen bis 15. Februar zum Abschluß zu bringen; im Hinderungsfalle 
mußte der Rat die erforderlichen Beschlüsse bis 1. März selbst fassen. Das hätte 
eine außerordentliche Ratstagung Ende Februar bedeutet. Am 15. Februar jedoch 
traf ein Telegramm von Baron Aloisi in Genf ein, in dem er darauf hinwies, daß 
zwar die Saarverhandlungen in Rom nicht abgeschlossen werden konnten, daß sie 
jedoch in einem ausgezeichneten Geiste fortgesetzt würden und in wenigen Tagen 
ihr Abschluß zu erwarten sei. Gleichzeitig bat er um Verlängerung seiner Voll¬ 
macht um einige Tage, die nach Rückfrage des Sekretariats bei den vertretenen 
Regierungen (also ohne Ratstagung) zugesagt wurde. 
Die feierliche Unterzeichnung des nach einer Nachtsitzung in Rom endgültig zu¬ 
standegekommenen Schlußergebnisses19 der unter dem Vorsitz von Aloisi geführ¬ 
ten Verhandlung konnte am 18./19. Februar in Neapel im Hotel "Excelsior" vor¬ 
genommen werden. Wenn auch der ursprüngliche Gedanke, die Saarverhandlun¬ 
gen nach Neapel zu verlegen, aus praktischen Gründen fallengelassen worden war, 
so hatte Aloisi doch darauf bestanden, wenigstens den Abschluß in dieser Stadt zu 
tätigen. Offenbar hatte er Neapel in dieser Hinsicht Versprechungen gemacht, 
denn nicht gerade freudvoll begaben sich beide Delegationen dorthin, - im einzel¬ 
nen die Herren H.F. Berger, Hermann Voigt, Ulrich von Hasseil und Könning, der 
Präsident der Reko Knox, mehrere Mitglieder des Finanzkomitees und des Sekre¬ 
tariats des Völkerbundes (der Unterstaatssekretär der Justiz, der Italiener Tumedei, 
sowie beide Botschafter), ebenso Baron Aloisi, der spanische Gesandte in Bern 
Lopez Olivan, Cantilo, der Vertreter des argentinischen Botschafters in Rom, sein 
Erster Sekretär Oneta Astengo, Biancheri und verschiedene Beamte des italieni¬ 
schen Außenministeriums. 
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Bericht d. Ratskomitees zu den am 19.2.1935 in Neapel angenommenen Beschlüssen: SDN JO 16, 
1935, S. 461-490. Vgl. Das Saarabkommen von Neapel, S. 53-56. 
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