Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Gestapo für Saarangelcgenhciten dazu ermächtigt waren30. Durch die Übernahme 
der saarländischen .Justizbeamten Thees (von der Reko beurlaubt und ab 1933 
Saarreferent im Gestapo-Amt) und Welsch31 (aus dem Dienst der Reko ausge¬ 
schieden und dann Leiter der Staalspolizeistellc Trier) gewann die Gestapo quali¬ 
fizierte Beamte und Kenner der Saarverhältnisse. Nachrichtendienstliche Tä¬ 
tigkeiten übten ferner die Deutsche Arbeitsfront im Saargebict unter dem Gaubc- 
triebszellenobmann Philipp Würtz in Völklingen aus sowie der Saarreferent der 
DAF, Ernst Heindorf. 
Von zahlreichen weiteren Stellen wurden solche Tätigkeiten ausgeführt32, ohne 
daß sie von Rcichsseitc immer erwünscht waren33. So meldete z.B. am 24. Oktober 
1934 ein Vertrauensmann an das AA, daß die französischen Banken im Saargebiet 
(einschließlich der Landesbank, aber ohne die Banque Nationale de Credit) ihren 
sämtlichen Angestellten zum 31. Dezember 1934 gekündigt hätten34 oder daß die 
französische Zollverwaltung bereits einen vollkommenen Versetzungsplan für ihre 
Beamten im Saargebiet erstellt hätte35. Über ein Netz eigener Informanten verfüg¬ 
te Voigt selbst, ebenso wie die Saarvertrauensmänner Preußens und Bayerns36 oder 
der bereits erwähnte Richard Binder in Waldmohr. 
Seit Mai 1933 bestanden von seiten der NSDAP Unternehmungen zur Ein¬ 
schleusung eigener Vertrauensleute in Parteien. Verbände und sonstige Organisa¬ 
tionen; so wurden Problemkreise im Zentrum, der SPD/S oder in den Gewerk¬ 
schaften erkundet und an Watermann weitergeleitet37. In diese Richtung zielten 
auch Ansätze zum Aufbau eines Geheimdienstes, die allerdings im Februar 1933 
vom AA mangels Bedürfnis und aufgrund politischer Bedenken unterbunden wur¬ 
den; ebenso bestanden dilettantische, nachrichtendienstliche Bemühungen von pri¬ 
vater Seite, oder es kam zu Entführungen saarländischer Kommunisten38. Durch 
eine entsprechende Verordnung39 versuchte die Reko die politische Betätigung ih¬ 
rer Beamten in jeglicher Richtung zu unterbinden. 
30 BA Koblenz. Best. Alte Reichskanzlei, R 431/253, Bl. 211. 
31 Vgl. F. Jacoby. Herrschaftsübemahme. S. 99. 
Berichte zu nachrichtendienstlichen Vorgängen im Saargebiet vom September 1934 für die Zeit vom 
25.8.-8.9.1934. BA Koblenz. NS 10/93. Bl. 147. 
33 DGFP, Ser. C, Bd. 2. Nr. 304. 
34 Mitteilung an das AA v. 24.10.1934 AA...betr. Rückgliederung, Bd. 12. 
35 Sehr. v. 24.10.1934. ebd. 
Hinweis auf die Vertrauensleute Voigts in seinen Aufzeichnungen v, 3.9.1932. AA...Best. Pol. Abt. II, 
Bes. Geb.. Sg., betr. Pol. Angelegenheiten des Sg., Allgemeines, Bd. 43, 
17 , 
Die Geheimhaltung der Korrespondenz bei F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 34f. Zum Scliriftver- 
kehr des Saarbrücker OB. Dr. Neikes, mit Watermann insbesondere bez. Strafregisterauskunftsachen 
des Wohlfahrtsamtes in Saarbrücken vgl. StadtA Saarbrücken, Best. Handakten Neikes. Nr. 1.830. 
18 
F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 98, bes. Anm. 61. Zum Spitzelsystem s. auch E. Kunkel, Die So¬ 
zialdemokratische Partei, S. 48. 
39 Amtsblatt der Reko 1934, Nr. 584. S. 482. 
116
	        
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