Full text: Migration und Urbanisierung

- Vor allem die Italiener nutzten nach 1890 die offenen Grenzen zwischen Deutschland, 
Frankreich und Luxemburg bei ihrer Suche nach attraktiven Arbeitsplätzen in der 
industriellen Grenzzone. Die Italiener blieben dabei bis 1914 die einzige relevante 
Femzuwanderergruppe in der Region. Auffälligerweise fanden sie keinen Eingang 
in den Steinkohlenbergbau des Saarreviers bzw. des ostlothringischen Kohlebeckens, 
während sie eine maßgebliche Stütze des lothringischen und luxemburgischen 
Erzbergbaus bildeten. Eindeutige regionale Bezüge nicht nur zwischen den Herkunfts¬ 
und Zielgebieten, sondern auch zwischen einzelnen Herkunftsregionen und spezifi¬ 
schen Zielorten der Italiener im Untersuchungsraum sind zu erkennen und harren einer 
weiteren Aufarbeitung. (S.173ff.) 
- Aufbauend auf traditionellen migrativen Austauschbeziehungen setzten sich während 
der Industrialisierung die Wanderungsbewegungen zwischen dem Untersuchungsraum 
sowie Belgien und Frankreich fort bzw. wurden ausgeweitet. In diesem Kontext 
erfolgte einerseits eine ausgeprägte Grenzraumwanderung (Département Meurthe-et- 
Moselle bzw. belgische Provinz Luxembourg), und andererseits bildeten die beiden 
nationalen Metropolen, Paris und Brüssel, schwerpunktmäßig Anlaufpunkte mobiler 
Bevölkerungsteile der Saar-Lor-Lux-Region. Bei der Grenzraummobilität handelte 
es sich in erster Linie um Arbeiterwanderungen, die in die Industriestandorte rechts 
und links der Grenze zielten. An den Metropolenwanderungen beteiligten sich vor 
allem Menschen mit Dienstleistungsberufen (Handel, Dienstboten), wenngleich die 
Bauwirtschaft der französischen Hauptstadt phasenweise auch viele Handwerker und 
Arbeiter anzog. (S.183ff.) 
- Slawische Wanderarbeiter spielten bis zum ersten Weltkrieg - und im Gegensatz zur 
Zwischenkriegszeit - nicht annähernd die Rolle auf dem Arbeitsmarkt des Saar-Lor- 
Lux-Raumes wie die Ruhrpolen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Ihr 
Wanderungsbeitrag blieb völlig marginal. 
- Außerdem ist hervorzuheben, daß keinerlei Zusammenhang zwischen der Entwicklung 
des Eisenbahnnetzes und dem Wanderungsgeschehen in den drei Untersuchungs¬ 
gemeinden festgestellt werden konnte. 
Immigrationsprofile 
Ansetzend an der sozioprofessionellen Gliederung der Zuwandererschaft in Malstatt- 
Burbach und Diedenhofen wurden zur Gesamtcharakterisierung der Immigranten mit Hilfe 
einer Clusteranalyse phänotypische Einzelprofile derjenigen Migrantengruppen nachzu¬ 
zeichnen versucht, welche sowohl durch ihren quantitativen Beitrag als auch durch ihre 
spezifischen Persönlichkeitsmerkmale aus dem Wanderungsgeschehen in den beiden 
Städten hervorstachen. Dieser Analyseschritt legte zusätzlich einige Gesetzmäßigkeiten 
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