Full text: Migration und Urbanisierung

Königlichen Bergwerksdirektion. Desweiteren begann sich ihr Siedlungsbereich entlang 
der Verkehrsachsen am rechten Saarufer nach Westen sowie in den hügligen Waldbereich 
nach Norden hin bandförmig aufzufächem. Planungen zur flächenmäßigen Erschließung 
des Saarufers und des nördlichen Stadtrandes bestanden bereits seit der Jahrhundertwende. 
Im großen Stile erfolgte die Bebauung allerdings erst nach 1918. 
Eine ebenso dynamische Entwicklung erfuhr das südluxemburgische Esch, wo ausgehend 
von einem alten dörflichen Siedlungskem neue Wohngebiete in Ausrichtung auf den 
Bahnhof, die "Rote-Erde-Hütte" und die Stollenmundlöcher der Erzminen entstanden. 
Eingeschränkt wurde diese süd- bis südwestliche Ortserweiterung durch die Grenzlage 
der Gemeinde. Die räumliche Verdichtung des Ortszentrums wurde durch die relative 
Nähe des unmittelbar nordöstlich anschließenden Geländes des ältesten ortsansässigen 
Hüttenwerkes, der "Metze Schmelz", gefördert. Unmittelbare Folge des rasanten indu¬ 
striellen Wachstums in Esch selbst war letztlich auch die schnelle Expansion und enge 
Anbindung des Siedlungsraumes der nordöstlichen Annexe Schifflingen an die 
Kemgemeinde, Nach der Ansiedlung eines dritten Hüttenwerkes (Esch-Belval) wurde 
in den letzten Jahren vor dem Weltkrieg sowie in der Zwischenkriegszeit das gesamte 
Terrain westlich des ehemaligen Dorfes erschlossen. 
Das lothringische Diedenhofen war bis um die Jahrhundertwende von Festungsmauem 
umgeben. Diese Einengung bedingte die intensivste Nutzung des verwinkelten Innenstadt¬ 
bereiches, was zu einer hochgradigen Siedlungsverdichtung im Stadtzentrum führte. Selbst 
nach der Niederlegung der Wälle (1898) bildete der Stadtkern noch den maßgeblichen 
Wohnbereich der Gemeinde. Erweitert wurde die Siedlungsfläche zuerst auf einem den 
ehemaligen Festungsanlagen vorgelagerten Terrain. An die im Jahre 1898 im äußersten 
Südwesten des Stadtgebietes gegründete "Karlshütte" gliederte sich in Orientierung auf 
die Altstadt hin der Wohnbezirk Beauregard an. Verhältnismäßig schleppend ging die 
Stadt erst ab dem Jahre 1902 an die bauliche Erschließung des zuvor befestigten Areals, 
welches sie vom Militär käuflich erworben hatte.2 Ringförmig dehnte sich die Stadt 
daraufhin um das alte Stadtzentrum aus. Bis 1914 konnte die Stadterweiterung jedoch 
erst ansatzweise verwirklicht werden. 
Wie vollzog sich nun aber konkret diese städtische Expansion unter dem Einfluß der 
Binnenwanderung? 
In keiner der drei Städte ergoß sich der Zuwandererstrom gleichermaßen heftig in alle 
Gemeindebezirke. Auszugehen ist vom "Nebeneinanderbestehen einer hochmobilen 
2 Die Stadterweiterung Diedenhofens erfolgte auf der Grundlage eines Planes, welchen Joseph 
Stübben im Jahre 1902 erstellt hatte, sowie einer ins gleiche Jahr zu datierenden Bauordnung. 
Vgl. hierzu Wittenbrock, Bauordnungen, S.217ff. 
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