Full text: Migration und Urbanisierung

Ganz anders verhielt es sich mit Belgien und Frankreich, die einen regen Bevölkerungs- 
austausch mit den südwestdeutschen und luxemburgischen Industrierevieren unterhielten. 
Das Wanderungsaufkommen in diesem Kontext war trotz der geographischen Nähe 
quantitativ nicht mit der Italienermigration zu vergleichen. Aber diese Bewegungen 
wurden von den mobilen Bcvölkerungsteilen beider Seiten getragen und hatten Bestand 
in einer nationalpolitisch z.T. sehr spannungsgeladenen Situation zwischen den beteiligten 
Staaten. 
Prozentanteile 
in den Jahren ... 
Nationalität 
1890 
1900 
Deutsche 
35,5 
32,3 
25,9 
Franzosen 
31,9 
35,9 
45,1 
Luxemburger 
10,0 
9,1 
7,3 
Niederländer 
19,3 
17,2 
13,8 
sonstige 
3,3 
5,5 
7,9 
Prozentsumme 
100,0 
TTOT 
1ÖÖ,0 
Quelle: Annuaires statistiques de la Belgique 1890-1910 
Tab.35 : Verteilung der in den wallonischen Provin¬ 
zen Belgiens lebenden Ausländer auf die ver¬ 
schiedenen Nationalitäten 1890-1910 
Die ausländische Bevölkerung 
der vier wallonischen Provinzen 
Belgiens (Hainaut, Liège, Lu¬ 
xembourg, Namur) bestand z.B. 
zwischen 1890 und 1910 im 
wesentlichen aus Deutschen, 
Franzosen, Luxemburgern und 
Niederländern (Tab.35) Die 
Immigration aus Italien und 
Polen blieb bis in die 1920er 
Jahre nahezu unbedeutend, stand 
dann aber hinter dem französi¬ 
schen Kontigent an zweiter bzw. 
dritter Stelle der Auslandszu¬ 
wanderung nach Belgien. 
Mit welchen belgischen Provinzen und mit welchen französischen Départements 
unterhielten nun aber die im Blickpunkt stehenden Industriegemeinden des Saar-Lor- 
Lux-Raumes den genannten Wanderungsaustausch? 
Das Wanderungsgeschehen zwischen den drei Untersuchungsgemeinden und Belgien 
spielte sich vor allem mit den stärker industrialisierten wallonischen Provinzen ab, was 
in erster Linie die nächstgelegene Provinz Luxembourg betraf. (Tab.36)154 Recht intensiv 
gestaltete sich auch der Bevölkerungsaustausch mit der Provinz Liège (Lüttich), während 
die beiden verbleibenden Provinzen - Wallonie, Namur und Hainaut - im Wanderungs¬ 
geschehen etwas zurückstanden. 
154 Auf Prozentangaben zur Herkunft der Belgienwanderer in Malstatt-Burbach und in Die- 
denhofen wurde aufgrund des unzureichenden Stichprobenumfangs verzichtet. Tendenziell 
entsprachen die ermittelten Herkunftsregionen denjenigen der beiden genannten luxemburgischen 
Industriegemeinden. Vgl. zu den Anteüswerten für Esch (1900-1925): Didlinger, Ausländische 
Bevölkerung Esch/Alz., S.85, bezüglich Differdingen (1898-1914): Reitz, Immigration étrangère 
à Differdange, S.139 sowie hinsichtlich Düdelingen (1898-1919): Weber, Ausländer in Düdelin- 
gen, S.49. 
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