Full text: Migration und Urbanisierung (23)

Es fällt auf, daß in Malstatt-Burbach sowohl unter der Gesamtheit der Zuwanderer als 
auch besonders unter den Familienwanderern die Gruppe der jugendlichen Kinder im 
Vergleich zu den beiden vorhergehenden Altersklassen wie zu den nachfolgenden 
Kategorien verhältnismäßig schwach besetzt war. Ursache hierfür könnte der Umstand 
sein, daß gerade die jugendlichen Kinder aufgrund einer gewissen unterstellbaren 
Fähigkeit zur Eigenverantwortung einerseits in den Umzug der Kemfamilie nicht mehr 
unbedingt miteinbezogen werden mußten und andererseits im Stande waren eine 
begonnene Schul- oder Berufsausbildung bzw. Berufsausübung unter der Obhut eines 
Verwandten oder Arbeitgebers alleine durchzustehen. Im Interesse eines Schulabschlusses 
bzw. einer beruflichen Etablierung konnte oder mußte speziell diese Altersgruppe vor 
den Risiken eines Wohnortwechsels bewahrt werden, wodurch sich diese Alterskategorie 
als besonders immobil darstellte. 
Bevor die spezifischen familiären und beruflichen Befindlichkeiten der Immigranten in 
den Blickpunkt gerückt werden, sei in aller Kürze zusammenfassend festgehalten, daß 
das Erscheinungsbild der mobilen Bevölkerungsteile in den Industriestädten der Saar- 
Lor-Lux-Region in der zweiten Hälfte des 19. und zum Beginn des 20. Jahrhunderts 
unter idealtypischen Gesichtspunkten von Zuwanderem männlichen Geschlechts und 
katholischen Bekenntnisses im jungen Erwachsenenalter, und zwar mit kontinuierlicher 
Verjüngungstendenz, dominiert wurde. 
2. Die familiäre und berufliche Situation 
2.1 Einzel- und Familienwanderer 
Im vorangehenden Text wurde bereits mehrfach eine Unterscheidung zwischen Familien- 
und Einzelwanderem getroffen. Einziges Einteilungskriterium waren dabei die Ver¬ 
zeichnungskategorien der Malstatt-Burbacher Melderegister. Die Größenordnung der 
Individualwanderung im Verhältnis zur Familienmigration ist per se jedoch noch nicht 
angesprochen worden. 
Nach 1875 kamen auf 100 Immigranten sowohl in Maistatt-Burbach als auch in 
Diedenhofen deutlich mehr als 50 Personen, welche den Umzug alleine in Angriff 
nahmen. (Tab.12)48 Der Anteil der "Singles” an der Gesamtzuwanderung stieg nach 
1890 in Malstatt-Burbach auf über 60 Prozent an und machte in Diedenhofen während 
dieser Phase gar mehr als zwei Drittel (66,9 %) des Zuwanderungsaufkommens aus, ein 
48 Die Prozentzahlen Lm Zeitraum vor 1876 (A) werden durch den relativ hohen Anteil der in 
keine Kategorie einzuordnenden Personen verfälscht, so daß sich hier keine präzisen inhaltlichen 
Aussagen treffen lassen. 
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