Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

3. Studien zum geistigen Leben der Abteien St. Nabor und Tholey 
im 11. Jahrhundert 
3.1. Konrad von St. Avold - „Cuonrado sit vita salusque misello“1 
3.1.1. Die Gedichte aus Cod. Paris BN 8088 und Cod. Metz Bibi. Munic. 377 
Am Schluß einer jetzt in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrten Prudentius-Hand- 
schrift2 aus dem 11. Jahrhundert stehen drei Gedichte, als deren Autor sich ein gewisser 
Konrad aus St. Nabor (= St. Avold) bezeichnet. Es handelt sich um eine Grabinschrift in 
sechzehn Distichen auf den im Jahre 1005 verstorbenen Metzer Bischof Adalbero II., ein 
Begleitgedicht hierzu an eine hochgestellte Persönlichkeit namens Ratram sowie ein Ge¬ 
dicht „Verba libri“, in dem das Buch von seinem Werdegang erzählt.3 
Der recht ausführliche Epitaph ergeht sich in den üblichen Lobeshymnen, unter den Ver¬ 
diensten Adalberos rage die Wiederherstellung von St. Symphorian heraus: 
Hoc templum fundans multo et sudore laborans, 
Servitium Domini hic statuit peragi. . .4 
Aufschlußreicher ist die Eloge auf Ratram, der in der älteren Literatur stets als Abt von 
St. Avold angesprochen wurde.5 Nun kennen weder die Abtsliste der „Gallia Christiana“ 
noch Calmet einen Abt Ratram; selbst die Liste des Bruschius, die noch weitere neun Äbte 
vor allem im Zeitraum zwischen Wasco (787 belegt) und Richio (1121) aufführt, hilft 
nicht weiter.6 Auch läßt die Wahl der Formulierung nicht unbedingt auf einen Klostervor¬ 
steher als Adressaten schließen: Ratram wird als signifer in castris, civium dux tempore 
pacis gewürdigt. Diesen hochgestellten Laien aus der Stadt Metz bittet Konrad, der hier 
erstmals seinen Namen ins Spiel bringt, aus der Fülle seiner Werke einige Zeilen zur mo¬ 
numentalen Verwertung beim Grabmal des Adalbero auszuwählen.7 Die Verba libri 
schließlich machen die Herkunft der Handschrift aus St. Symphorian deutlich: „Nackt 
1 MGH Poet. Lat. V,2, S. 381, Z. 19 (Schlußzeile der Verba libri) 
2 BN lat. 8088; Beschreibung der Handschrift bei Tribout de Morembert, Manuscrits, S. 198 
3 MGH SS IV, S. 672f. (ed. G. H. Pertz); MGH Poet. Lat. V,2, S. 378-381 (ed. K. Strecker); ICL Nr. 
8826, 11014 u. 3042 
4 MGH Poet. Lat. V,2, S. 379, Z. 23f.; das Epitaph wird von A. Hauck, Kirchengeschichte Deutsch¬ 
lands III, Berlin-Leipzig 19526, S. 361 als Beleg dafür angeführt, daß St. Nabor nach einer Zeit der 
Abhängigkeit von Prüm wieder als Abtei bestanden habe (so auch Hallinger, Gorze-Kluny II, 
S. 776). Er bezieht sich dabei auf eine Passage der „Translatio SS. Chrysanti et Dariae“ (MGH SS 
XV, 1, S. 375), aus der jedoch ein Bezug zu Münstereifel hervorgeht. Im übrigen bietet Konrads 
Text keinerlei Anhaltspunkt für die Klostergeschichte von St.Nabor. 
5 Wattenbach/Holtzmann I, 1/2, S. 184; Manitius II, S. 255 
6 Gallia Christiana XIII, Kol. 839; Calmet, Histoire de Lorraine III, Kol. LXI-LXVIII; Bruschius, 
Chronologia, S. 474 
7 zu Ratram s.a. Tribout de Morembert, Manuscrits, S. 200; MGH Poet. Lat. V,2, S. 380, Z. 6ff.: 
Scribsi tantorum tibimet formas numerorumj Elige de multis, quos ad tumbam seniorisl Dilecti 
vobis et cunctis scribere possis. Bei dieser Formulierung bleibt unklar, ob sich Konrad auf die Aus¬ 
wahl einiger Zeilen seines recht lang geratenen Epitaphs bezieht oder gar Ratram noch weitere 
Textvorschläge unterbreitet hat. 
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