Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Gestirne demonstrieren ließ. Sphären („sperae“) dieser Art hat Richer beschrieben.11 Sie 
dienten - sozusagen im astronomischen Elementarunterricht - dem Lernen und Memo¬ 
rieren der gängigen Sternbilder. Ob Remigius darüber hinaus mit fortgeschrittenen In¬ 
strumenten wie der Armillarsphäre oder dem Astrolabium vertraut war, ist den Quellen 
nicht zu entnehmen. 
Jedenfalls hat er Gerberts Vorschlag zugestimmt, denn im Frühjahr 989 nimmt dieser 
Bezug auf eine Nachfrage des Trierer Mönchs bezüglich des überschrittenen Lieferter¬ 
mins, die der Gelehrte höchst ungnädig aufnahm: Inmitten der Streitigkeiten um die 
Nachfolge des im Januar verstorbenen Erzbischofs Adalbero von Reims hat er größere 
Ziele im Blick und reagiert mit „erbitterter Gereiztheit.“12 Erst gegen Ende des Jahres ent¬ 
schuldigt er sich für die fortwährende Verzögerung mit einer schweren Erkrankung, die 
ihn im Herbst befallen habe. Aus dem Schreiben geht hervor, daß er zuvor mit Remigius 
persönlich in Trier zusammengetroffen ist: Petitio tua, dulcissime frater, tociens repetita, 
quibus iactemur fluctibus, satis ostendit. Nescis, nescis, que naufragia pertulerimus, post¬ 
quam a te digressi sumus . . .13 Im Schlußsatz bittet Gerbert angesichts der Einnahme von 
Reims durch Herzog Karl von Niederlothringen um Beistand im Gebet, für den er sich er¬ 
kenntlich erweisen werde. Ob sich ein weiterer Brief vom Frühjahr 990, eine medizinische 
Anfrage bezüglich eines Leberleidens an den Mönch R., auch auf Remigius bezieht, ist 
nicht mit Sicherheit zu entscheiden.14 Abgesehen vom freundlichen Tonfall, der gut zu 
dem seit dem letzten Brief entspannten Verhältnis zwischen den beiden paßte, ist an die 
medizinische Kompetenz Lioffins zu erinnern, der zu jener Zeit auf dem Mettlacher Abts¬ 
stuhl sitzt. Mit dessen Kenntnissen vermag sich Remigius nicht zu messen, auch mit der 
medizinischen Terminologie ist er kaum vertraut.15 
Wie lassen sich diese vier bzw. fünf Briefe in den Gesamtkontext der Beziehungen Erzbi¬ 
schof Adalberos und Gerberts bzw. Erzbischof Arnulfs (nach 989) zu Egbert von Trier 
einordnen? Die erhaltene Korrespondenz setzt ein im Jahr 983 mit der Zustimmung Ger¬ 
berts (damals noch Abt von Bobbio) zu einem - wohl nicht realisierten - Plan Egberts, 
„scholastici“ nach Italien zur weiteren Ausbildung zu schicken.16 Das Regest Weigles, der 
sich der Formulierung „Schüler“ bedient, entspricht nicht dem Sprachgebrauch Gerberts, 
der darunter eher bereits ausgebildete Gelehrte versteht.17 Insgesamt sind 25 Briefe über¬ 
liefert, die teils den künstlerisch-wissenschaftlichen Austausch18 oder kleinere Rechtsan¬ 
11 Richer, Histoire, 111,50 (Bd.2, S.58L); zu den von Gerbert entwickelten bzw. benutzten astrono¬ 
mischen Instrumenten s. Lindgren, Quadrivium, S. 28-33 
12 Uhlirz, Untersuchungen, S. 124, wohl mit Bezug auf die Formulierung In tanta igitur perturba¬ 
tione et, ut ita dicam, confusione moralium officiorum immemor, quid optares, quid peteres, in¬ 
cautius perspexisti. (Weigle, Briefsammlung, S. 179) 
13 Weigle, Briefsammlung, S.190. Die Transaktion Sphäre gegen Statiushandschrift hat auch Ein¬ 
gang in die Belletristik gefunden, vgl. Umberto Eco, Der Name der Rose, München-Wien 1982, 
S.177 (Man ist geneigt hinzuzufügen: „Aber es war keine Armillarsphäre.“). 
14 Weigle, Briefsammlung, S. 197 
15 zu den Eigentümlichkeiten von Gerberts Antwort s. Mac-Kinney, Early medieval medicine, 
S. 117f. 
16 Weigle, Briefsammlung, Nr. 13 
17 s. Riché, Enseignement, S. 64 
18 Den Austausch von Handschriften betreffen die Schreiben Weigle, Briefsammlung, Nr. 108 von 
987 u. Nr. 132 von Sept. 988. 
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