Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

2. Remigius von Mettlach-,,, . . incuius cordis sacrario sapientia 
sibiplacidam edificaverat domum . . .Ul 
2.1. Ansätze zu einer Biographie 
Selbst diese bewußt zurückhaltend formulierte Kapitelüberschrift könnte die falsche Er¬ 
wartung hervorrufen, daß es möglich sei, gesicherte Daten über das Leben dieses wohl be¬ 
deutendsten Mettlacher Abtes zu gewinnen. Literaturgeschichtliche Arbeiten ebenso wie 
die wenigen vorliegenden „Mettlach-spezifischen“ Studien haben sich meist beschieden 
mit einer Paraphrase des Remigius-Kapitels der Miracula S. Liutwini,1 2 wenn sie nicht gar 
auf die Eloge zurückgriffen, die der Ende des 15. Jahrhunderts schreibende Johannes Tri- 
themius im Rahmen seines „Catalogus illustrium virorum“ verfaßt hat.3 Beide Texte sind 
aber eher als Panegyrizi beziehungsweise Werklisten denn als biographischer Abriß 
brauchbar. Die Miracula zielen - gemäß ihrer Tendenz einer Propagandaschrift für die 
Mettlacher Klosterschule - auf die Gesamtwürdigung der wissenschaftlich-literarischen 
Bedeutung des Remigius hin; an nüchterner — relativer — Chronologie erfährt man nur, 
daß Remigius die Abtswürde nach den Wirren um Lioffin und der Episode einer zweiten 
Amtszeit Hezzels erlangt hat (committitur regimeti) und von Kaiser Otto eines kostbaren 
Geschenks für würdig erachtet wurde. Nach seinem Tod (quo decedente) ist ihm Helde- 
rich im Amt gefolgt. 
Des weiteren sind aus den Jahren 988-990 fünf Briefe Gerberts von Aurillac an einen 
Trierer Mönch namens Remigius überliefert.4 Ich möchte betonen, daß die Literatur bei 
der Erörterung dieser Briefe stets von zwei Prämissen ausgeht: a) daß der Adressat mit 
dem - späteren - Abt von Mettlach identisch sei, b) daß Remigius der in den Miracula na¬ 
mentlich nicht genannte zweite Mettlacher Schüler Gerberts in Reims sei (neben Nizo). 
Beides sollte nicht widerspruchslos akzeptiert werden und bedarf zusätzlicher Beweise, 
die auch beizubringen sind. Eine Untersuchung dieser Korrespondenz sei daher an den Be¬ 
ginn dieses Kapitels gestellt; sie erlaubt eine adäquate Einordnung des Remigius in den 
Kreis um Erzbischof Egbert und leitet über zu den später belegten Kontakten zum ottoni- 
schen Hof. Erst dann sollen die Miracula „auf Herz und Nieren“ geprüft und durch Aus¬ 
sagen des übrigen Quellenmaterials ergänzt werden. Die vom Mettlacher Anonymus vor¬ 
gelegte Werkliste des Remigius bildet - auch in ihrer Reihenfolge — die Vorgabe für Ka¬ 
pitel 2.2.; abschließend werden weitere, dem Anonymus unbekannt gebliebene Schriften 
des Remigius vorzugsweise aus seiner Trierer Zeit untersucht. 
1 MGH SS XV,2, S. 1266, Z. lf., vgl. Proverbia 9,1: Sapientia aedificavit sibi domum, excidit co- 
lumnas septem. 
2 MGH SS XV,2, S. 1266, cap. 16 
3 Trithemius, Opera Historica, S. 131 ; wörtlich übernommen bereits von Butzbach im Schriftsteller¬ 
katalog seines Auktarium (Cod. UB BonnS. 356, f. 191-19 Iv) und noch die Grundlage für Brower, 
Hontheim, Calmet (Bibliothèque Lorraine, Kol. 801f, aber bereits mit Kritik an dessen Zuschrei¬ 
bungen) und François (Bibliothèque, S. 462L). - Zu den letztlich auf Hieronymus zurückgehenden 
Schriftstellerkatalogen s. allg. Lehmann, Literaturgeschichte. 
4 Weigle, Briefsammlung, Nr. 134, 149, 152, 162, 169; zur Überlieferung der Gerbert-Briefe s. 
Weigle, Studien; Werner, Überlieferung; Uhlirz, Untersuchungen. Über Gerberts weitverzweigte 
schulisch-wissenschaftliche Kontakte informieren die beiden Arbeiten Richés, L’enseignement de 
Gerbert u. Gerbert d’Aurillac. 
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