Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

UB G 12097 (14. Jh.) sind zahlreiche Epitaphien von Angehörigen der flandrischen Gra¬ 
fenfamilie und mehreren Äbten von St. Peter überliefert. Nach Strecker sind nur einige we¬ 
nige authentische Dichtungen der Ottonenzeit; zu ihnen zählt er die Grabinschriften für 
die Äbte Woraar und Wido.179 Beide haben denselben Verfasser,180 der aus Venantius 
Fortunatus schöpft und mit ziemlicher Sicherheit mit Lioffin identifiziert werden kann, 
der gerade in den Jahren 980-986 dem Genter Konvent angehört. Wenig später erweist 
er Ruotwich und Nizo I. (die in der Dauer ihrer Amtszeit und ihrer Charakterisierung er¬ 
staunliche Parallelen zu Womar und Wido aufweisen) die gleiche Reverenz. 
Ein gesondertes Problem ist die erstmals bei Brower überlieferte Grabinschrift des heiligen 
Liutwin, in der dieser als „archimandrita“ bezeichnet wird.181 Als Gründer Mettlachs und 
Bischof von Trier ist er formalrechtlich sehr wohl ein „precessor“ des englischen Abtes. 
Das Argument Lagers, daß die Inschrift im Unterschied zur Vita I Liutwini dem Liutwin 
die Mettlacher Abtswürde zuschreibt und daher später entstanden sein muß, ist nicht 
schlüssig, zumal die exakte Abfassungszeit der Vita strittig ist.182 Ich teile aus einem an¬ 
deren Grund die schon von den Bollandisten vorsichtig vertretene Spätdatierung in die 
Zeit des Bursfelder Reformabtes Tilmann (amt. 1480-1505): Dessen Zeitgenosse, der da¬ 
malige Tholeyer Prior Eberhard von Kamp, bedient sich in einem Epigramm auf den hei¬ 
ligen Liutwin ebenfalls der ungebräuchlichen Vokabel „archimandrita“.183 Sieht man 
von der Frage des Kapitels 26/27 der Egmonder Adalbertsvita ab, hat sich somit vom lite¬ 
rarischen Schaffen Lioffins nichts erhalten. 
Diese ernüchternde Feststellung gilt auch für einen berühmten monastischen Gebrauchs¬ 
text, für den er wiederholt in Anspruch genommen worden ist. Anknüpfend an Hallinger 
hat Raach in Lioffin den Verfasser der Consuetudines von St. Vanne gesehen.184 Seine Ar¬ 
gumente hierfür waren die medizinischen Kenntnisse des Engländers (arte medicinae pe¬ 
riti sumus ist auch die Eigencharakterisierung des Autors der Virdunenses), seine Anstren¬ 
gungen um eine Reform des Mettlacher Klosterlebens sowie der Einfluß englischer Obser¬ 
vanzbestimmungen auf St. Vanne. Einwände gegen diese Zuschreibung, die sich letztlich 
nur auf den Halbsatz . . .et regularis discipline observatio inter monachos florebat stützt, 
erhob bereits früh Dauphin.185 In dieser Frage hat nun die kritische Ausgabe der Virdu¬ 
nenses im Rahmen des Corpus Consuetudinum Monasticarum Klarheit geschaffen: Auf¬ 
grund inhaltlicher und überlieferungsgeschichtlicher Kriterien sei eine Datierung des (seit 
der Französischen Revolution verschollenen) Fragments mit den Consuetudines in das 
179 ediert in MGH Poet. Lat. V, S. 300f. 
18° Vg] Tristia communis debita sortis ago (Womar-Epitaph, Z. 2) u. Debita communis persolvens 
ultima sortis (Wido-Epitaph, Z.l); ferner Pro me vota, patres, insignia fundite, dulces (Womar, 
Z. 9) u. Quem mihi predulces apposuere patres (Wido, Z. 10) 
181 leichter zugänglich in Kraus, Christliche Inschriften II, Nr. 328 
182 zur Vita s. Kap. 2.2.1. 
183 s. Kap. 6.3.4.; von Tilmann weiß Buzelinus (zit. nach AA SS Sept. VIII, S. 168) folgendes zu be¬ 
richten: „. . . qui anno Christi 1494 corpus B.Luitwini transtulit, cui aram erexit, in qua tabulam 
ad miraculum elegantem, ut et in summa ara depingi curavit. . .“ 
184 Hallinger, Gorze-Kluny, S. 884; Raach, Klosterleben; ders., Mettlach, S. 46f.; alte Ausgabe der 
Consuetudines in Albers, Consuetudines V, S. 113-133 
185 Dauphin, Renouveau Monastique, S. 193f. 
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