Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Exkurs I: Die Klöster und Stifte der Saargegend als Thema 
„auswärtiger“ Autoren 
a) Alkuin 
Nachdem bereits Bischof Chrodegang von Metz die Überführung der Reliquien des hei¬ 
ligen Nabor aus Rom nach St. Avold initiiert hatte, sorgte der um diese Abtei ohnehin sehr 
verdiente Angilram von Sens für einen großzügigen Neubau der Klosterkirche.1 Noch vor 
Vollendung dieses Werks starb der Bischof aber während des Awarenfeldzugs von 791, 
die Weihe der Kirche erfolgte dann am 16. September 792.2 Karl der Große, der seinen 
Hofkaplan bei diesem Projekt unterstützt hatte (auxiliante pio Karolo per munera rege)3, 
wird seinem Vertrauten Alkuin die Abfassung eines Epigramms auf das Grabmal des hei¬ 
ligen Nabor nahegelegt haben. In der Folge ist weniger der Heilige Gegenstand der Elogen 
Alkuins als der verdienstvolle Metzer Bischof. Alkuin, der sprachlich mit den üblichen 
Versatzstücken seiner umfänglichen epigraphischen Produktion arbeitet,4 nennt einen 
levita Vasco als Vollender des frommen Werks. An diesen Vasco, der in den Abtslisten von 
St. Avold an vierter Stelle genannt ist,5 hat Alkuin noch ein weiteres Gedicht gerichtet (Bis 
septena tibi direxi carmina, Vasco), das eine monumentale Ausführung des Epigramms 
recht unwahrscheinlich macht.6 Von daher gewinnt ein bei Caspar Bruschius überlieferter 
Epitaph („Versiculi“) auf den heiligen Nabor an Bedeutung: 
Martyris egregii contentas cerne Naberis 
Relliquias tumba hac praeclaro stemmate nati 
Quem, quia sacra Jovi nollet deferre prophano 
verberibus duris collisum Maximianus 
Coelicolis addens, testem necat ense cruento. 
Ast tandem nutu Tiberinae Sedis alumni 
Mirifice nostras duxit Crodegandus ad aedes. 
Quem Mediomatrica pastorem ecclesia habebat 
saecula bissecus septem supper addita lustris, 
nec non Olympiadi quando peramoena saeculi 
Tempora assignarent nostrae, pergrataque semper.7 
Von Bruschius, einem literarisch ungemein produktiven Humanisten, ist allerdings seine 
Vorliebe für das Zitieren selbst verfaßter Epitaphien bekannt. Umgekehrt „besitzen seine 
1 zu diesem Metzer Bischof s. Häring, Angilram 
2 s. Kap. 3. 1.4. u. Mabillon, Annales, Bd. II, S. 282 
3 MGH Poet. Lat. I, Epigr. CII, S. 329f., Zitat Z. 5; Text auch in Kraus, Christliche Inschriften II, 
S. 136 
4 vgl. Schaller, Alkuin 
5 Bruschius, Chronologia, S. 474; Calmet, Histoire de Lorraine III, Kol. LXIII 
6 so Kraus, Christliche Inschriften II, S. 136 
7 Bruschius, Monasteriorum Germaniae Centuria Prima, S. 130;zuBrusch (1518-1557-so Bezzel, 
Newald in ADB gibt 1559 an -) s. Horawitz, Caspar Bruschius u. Bezzel, Kaspar Brusch. 93 Bände 
seiner Bibliothek sind erhalten. 
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