Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

1. Schriftsteller, Künstler und Lehrer der Benediktinerabtei 
Mettlach 
1.1. Lokalpatriotismus im 11. Jahrhundert: Miszellen zu den 
„Miracula S. Liutwini“ 
1.1.1. Zu Überlieferung und Rezeption 
Der unbekannte Verfasser dieser für die Mettlacher Geschichte des 10. und 11. Jahrhun¬ 
derts grundlegenden Quelle schrieb unter Abt Nizo III., der spätestens 1094 verstorben 
ist.1 Eine Autorschaft Thiofrids, des späteren Abtes von Echternach und Verfassers zweier 
Liutwinsviten, ist abzulehnen.2 Der Text besteht aus einem „historischen“ Teil, der weit¬ 
gehend auf Wundererzählungen verzichtet und quellenkundlich als Gesta abbatum cha¬ 
rakterisiert werden kann, und den eigentlichen Miracula.3 Die handschriftliche Überliefe¬ 
rung setzt erst spät ein; älteste Handschrift ist Cod. Trier Stadtbibi. 2002/92,4 der um 
1500 angelegt worden ist und damit aus der Zeit des Bursfelder Reformabtes Tilmann von 
Prüm (amt. in Mettlach 1480-1505) stammt. Dieser hat sich auch sonst um den Liutwins- 
Kult sehr bemüht gezeigt. Die Aufzeichnung der eigenen Hausüberlieferung war dabei ein 
bewußter Akt historischer Sammelarbeit, wie sie den Bursfeldern eigen war und als deren 
Ausdruck etwa im nahen Tholey die damals angelegten Abtslisten zu interpretieren sind.5 
Zwei weitere Trierer Handschriften jüngeren Datums sind von Cod. 2002/92 abhängig.6 
Von einem Mettlacher Nekrolog, dessen Existenz aus Schriften des 17./18. Jahrhunderts 
erschlossen werden kann,7 ist nichts weiter bekannt, nicht der unerheblichste Verlust in¬ 
1 1095 ist ein Abt Libo von Mettlach urkundlich nachgewiesen: MRUB II, S. 346f. Er scheint aber 
nicht unmittelbarer Nachfolger Nizos gewesen zu sein, da ein im Echternacher Nekrolog (Steffen, 
Obituar, S. 66) belegter, in den Miracula freilich nicht mehr berücksichtigter Abt Opertus von der 
Gallia Christiana XIII, Kol. 571 vor Libo gesetzt wird. Nizo III. wurde lange Zeit als Verfasser der 
Vita Basini (AA SS März I, S. 315*321, ed. G. Henschen) in Anspruch genommen (z.B. Sauerland, 
Geschichtsquellen, S. 111; BHL I, S. 154), was wohl in unberechtigter Zuordnung zu der Vita II 
Liutwini geschah, die im Prolog formuliert: Sacrario Spiritus sancti sanctae Treverensis sedis archi- 
praesuli Udoni. . . abbas Nithardus et . . . grex Mediolacensium fratrum . . , Später sah man 
Thiofrid als Autor an (Manitius II, S. 478-481; BHL II, Supplementum, S. 1322), bis Ponceletein 
aufsehenerregender Fund gelang, der bewies, daß die bislang stets ins 11. Jh. datierte Basinus-Vita 
in Wirklichkeit ein Werk des Mönches Johann Scheckmann aus St. Maximin von Anfang des 16. 
Jh. war. . . (Poncelet, L’auteur; darauf aufbauend Winheller, Lebensbeschreibungen, S.167-174; 
entscheidendes Beweisstück war der Widmungsbrief: . . .harte exilis mei ingenioli operulam pru- 
dentie tue examinandam represento. . . ) 
2 vgl. Lampen, Thiofrid van Echternach, S. XXVIII-XXX; die Zuschreibung zu Thiofrid bei Pauly, 
Landkapitel Merzig, S. 84 u. Nolte, Raubzüge, S. 364 
3 Die beiden unvollständigen Ausgaben in AA SS Sept.VIII, S. 176-179 (ed. j .Perier) und MGH SS 
XV,2, S. 1261-1268 (ed. H. V. Sauerland) ergänzen einander. 
4 Inhaltsangabe des Sammelbandes u. a. bei Becker, Fragmente, S. 9 
5 s. Kap. 6.3.; Tilmann sorgte ferner für die Erfassung des Urkundenbestands, s. Cod. Trier Stadt¬ 
bibi. 1670/349 u. 1671/348 sowie LHA Koblenz Abt. 143, Nr. 5 
6 Cod. Trier Stadtbibi. 1376/141 (St. Matthias, 16.Jh.)u. 1626/401 (St. Maximin, 17. Jh.). Eine wei¬ 
tere Brüsseler Handschrift (6731-76) stammt ebenfalls aus dem 17. Jh. 
7 vgl. z.B. Gallia Christiana XIII, Kol. 569ff., Nr. XXV u. LXI 
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