Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

steigender Individualmotorisierung war für die elektrischen Bahnen, die vielerorts erst 
die Elektrizitätsversorgung von Städten und Gemeinden an der Saar ermöglicht hatten, 
kein Platz mehr82. 
c) Kommunale Weiterverteiler 
Im Gegensatz zur Abgabe an die Konjunkturschwankungen stärker unterworfenen 
Sonderabnehmer aus Industrie und Gewerbe wiesen die Ziffern des Strombezugs der 
weiterverteilenden Gemeinden und der Tarifabnehmer durchweg steigende Werte auf. 
Größere Schwankungen in den Zuwachsraten verursachte die Belieferung der Stadt 
Saarbrücken über den sogenannten Wehrden-Ersatzvertrag (vgl. Kap. VIII.3.c) sowie 
der Übergang verschiedener Gemeinden und Städte zur direkten Versorgung an die 
VSE. Ab 01. Januar 1968 wurde die Versorgung des Zweckverbandes Amtswerke Rie¬ 
gelsberg, der rund 23.000 Einwohner in Köllerbach, Riegelsberg und Walpershofen be¬ 
lieferte, an die VSE übertragen83. Drei Jahre später, am 01. Januar 1971, übernahm die 
VSE auch die Versorgung der Städte Ottweiler und St. Wendel84. 1972 folgten die 
Stadt Friedrichsthal sowie die Gemeinden Quierschied und Fischbach mit zusammen 
rund 29.000 Einwohnern85. Abgerundet wurde die Übernahme der Versorgungsanla¬ 
gen ehemaliger A-Gemeinden 1973 mit Ensdorf86 und im Jahre 1974 mit Püttlingen 
(15.000 Einwohner). Von 1967 bis 1974 stieg die Zahl der unmittelbar von der VSE ver¬ 
sorgten Einwohner durch Ankauf von gemeindeeigenen Stromversorgungsanlagen 
um rund 110.00087. Insgesamt versorgte das Unternehmen jetzt mittelbar und unmit¬ 
telbar rund 83% der Fläche und über 87% der Bevölkerung des Saarlandes. 
Auch im Bereich des benachbarten Regionalversorgungsunternehmens Pfalzwerke 
AG wurde in den 60er und frühen siebziger Jahren die Anzahl der weiterverteilenden 
A-Gemeinden deutlich reduziert (vgl. Tab. 80, Karte 7). In den meisten Fällen übernah¬ 
men größere Stadtwerke die Versorgung für die im Gebiet der Pfalzwerke schon 
immer stärker vertretenen A-Gemeinden. Der traditionell im Vergleich zur VSE nie¬ 
drigere Anteil von B-Gemeinden blieb somit bei den Pfalzwerken bestehen88. Die 
„Flurbereinigung“ in der saarländischen Elektrizitätsversorgung war entscheidend 
vorangekommen (vgl. Karten 7, 8). Lediglich die größeren Städte Saarbrücken, 
Völklingen, Saarlouis, Neunkirchen, Dillingen und Sulzbach im Versorgungsgebiet 
der VSE sowie die Städte Bexbach, Homburg, St. Ingbert, Blieskastel und die Gemein¬ 
de Kirkel im Versorgungsbereich der Pfalzwerke blieben in der Weiterverteilung elek¬ 
trischer Energie als kommunale Eigenbetriebe oder in der Form von Kapitalgesell¬ 
schaften selbständig. 
82 Vgl. 75 Jahre Nahverkehr in Völklingen (1984), S. 41; Sommerfeld (1979), S. 266f.; 75 
Jahre Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG (1967), S. 114f.; 75 Jahre Neunkircher 
Verkehrs-AG (1982), S. 44f.; Sommerfeld (1978), S. 111, 119; zu Saarlouis: Ipsen/ 
Sommerfeld (1984), S. 121. 
83 VSE-AHV, Geschäftsberichte für 1967 und 1968, 
84 Ebd., für 1971. 
85 Ebd., für 1972. 
86 Ebd., für 1973. 
87 Ebd., für 1974. 
88 Arbeitsgemeinschaft Regionaler EVU (1976), S. 14. 
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