Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

VIII. Zusammenfassung der saarländischen 
Elektrizitätsversorgung: Aufstieg der VSE 
zum Landesversorgungsunternehmen 
1. Politische und wirtschaftliche Rückgliederung des Saarlandes 
Wirtschaftliche Lage und besondere politische Situation des Saarlandes unter dem Re¬ 
gime Johannes Hoffmann mit Einschränkung von freier Meinungsäußerung und dem 
Verbot oppositioneller Parteien schufen ein gespanntes innenpolitisches Klima und 
führten zu zahlreichen Verhandlungsrunden zwischen Frankreich und Deutschland 
über das künftige Schicksal des Saarlandes. Am 23. Oktober 1954 Unterzeichneten der 
deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Ministerpräsident 
Pierre Mendes-France ein von Unklarheiten nicht freies Statut, wonach das Saarland 
einen europäischen Status erhalten sollte1. Französische Nationalversammlung und 
Deutscher Bundestag billigten das Statut Ende 1954 und Anfang 1955. Nach einem 
emotional und leidenschaftlich geführten Wahlkampf kam es zum „Wunder an der 
Saar“2: Bei sehr hoher Wahlbeteiligung von 97,5% lehnten 67,5% der Wähler das Sta¬ 
tut am 23. Oktober 1955 in einer Volksbefragung, dem sogenannten Referendum, ab. 
Verhandlungen zwischen Bundesrepublik Deutschland und Frankreich führten am 27. 
Oktober 1956 zum Abschluß des deutsch französischen Saarvertrages in Luxemburg. 
Die politische Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland erfolgte am 01. Januar 
1957, während die Währungs- und Wirtschaftsunion mit Frankreich bis spätestens 31. 
Dezember 1959 dauern sollte. Im Verlauf der dreijährigen Übergangszeit waren saar¬ 
ländische Waren (mit bestimmten Ausnahmen) von Zöllen und Umsatzausgleich¬ 
steuer in der Bundesrepublik befreit. Von der saarländischen Wirtschaft besonders be¬ 
grüßt wurde die Vereinbarung, daß Investitionsgüter zollfrei aus der Bundesrepublik 
in das Saarland eingeführt werden konnten3, worunter auch die technische Ausstat¬ 
tung des geplanten Kraftwerk Ensdorf der VSE fiel. Artikel 48,3 des Vertrages führte 
in Anlage 14 ausdrücklich „den Bau eines neuen Wärmekraftwerkes mit einer Leistung 
von 240.000 kW“ auf4. 
Die Zeit zwischen politischer und wirtschaftlicher Rückgliederung des Saarlandes warf 
zunehmend wirtschaftliche Schwierigkeiten auf. Sorgen der Bevölkerung um Wäh¬ 
rung des sozialen Besitzstandes und eine nicht im erhofften Umfang gelungene Um¬ 
orientierung der Saarwirtschaft vom französischen auf den deutschen Markt erforder¬ 
ten erhebliche Bundesmittel zur Unterstützung. Teilabwertungen des französischen 
Franc im August 1957 und Ende 1958 ließen ein rasches Ende der Übergangszeit immer 
dringlicher erscheinen5. Als vorzeitiger Endpunkt der Übergangsphase wurde der 
1 Herrmann (1972), S. 51; vgl. allgemein Di sc hier (1957). 
2 So der Titel des gleichnamigen Buches von Heinrich Schneider (1974), Vorsitzender der 
DPS. 
3 Müller, Probleme der Wirtschaftsstruktur (1967), S. 16; Herr mann (1972), S. 54. 
4 Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und französischer Republik (1956), 
S. 311. 
5 Herrmann (1972), S. 72f. 
289
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.