Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG (17)

beitskräfte mit sich. Die 1950 und 1951 zugewiesenen Mittel flössen teilweise in die 
Umstellung des Hochspannungsnetzes von 110 auf 150 kV, aber auch verstärkt in den 
Ortsnetzausbau des eigenen Versorgungsgebietes und in die gepachteten Anlagen des 
Kreises Saarlouis, wo der Rückstand — abgesehen vom Osten des Saarlandes — noch 
am größten war. Der Kreis Saarlouis als Eigentümer der Anlagen hatte nur allernot¬ 
wendigste Geldmittel aufgebracht, um eine Gefährdung durch die veralteten und teil¬ 
weise zerstörten Anlagen auszuschließen100. Der von der VSE als wichtigstes Projekt 
für die Zukunft angesehene Bau eines Dampfkraftwerkes bei Ensdorf für die Deckung 
von Grund- und Mittellast sowie eines Pumpspeicherkraftwerkes bei Orscholz zur Er¬ 
zeugung von Spitzenstrom erfuhr nur eine geringe Unterstützung aus den insgesamt 
2,9 Mrd. FF Marshallplan-Mitteln für die VSE101. Entsprechende finanzielle Hilfen 
für den Bau von Kraftwerken in Höhe von rund 6 Mrd. FF gingen allein an die Saargru¬ 
ben, die die vier vorhandenen Kraftwerke ausbauten und das Kraftwerk St. Barbara neu 
errichteten102. 
Die Energieversorgung der Saar einschließlich Saargruben erhielt nach den Zuwendun¬ 
gen für die Eisen- und Stahlindustrie den größten Anteil der in das Saarland fließenden 
ERP-Mittel. Dadurch konnten die schlimmsten Folgen des Krieges beseitigt und eine 
gewisse Vorsorge für die Absicherung des steigenden Strombedarfs getroffen werden. 
Ungelöst blieben aber weiterhin strukturelle Probleme der saarländischen Elektrizi¬ 
tätswirtschaft. Zum einen hemmte die starke Zersplitterung des Versorgungsgebietes 
mit vielen kleinen A-Gemeinden eine notwendige Vereinheitlichung und damit Stär¬ 
kung der Energiewirtschaft. Auf der anderen Seite verhinderten die Regie des Mines 
und ihre Nachfolgegesellschaften ganz offensichtlich den Ausbau von Kraftwerkska¬ 
pazitäten auf Saarkohle, da sie in ihrem Monopolverständnis die Erzeugung von elek¬ 
trischer Energie als ihre ureigenste Interessensphäre an der Saar ansahen (vgl. Kap. 
VII.6.). 
5. Schwerpunkte der Entwicklung in den 50er Jahren bei der VSE 
a) Tendenzen der Stromabgabe und -anwendung 
Die Entwicklung der nutzbaren Stromabgabe der VSE in den Jahren ab 1948/49 wurde 
gekennzeichnet durch den rasch wachsenden Anteil der Versorgung von industriellen 
Sonderkunden (vgl. Abb. 8 und Tab. 48). Gegenüber einem Anteil dieser Abnehmer¬ 
gruppe von ca. 15% an der Gesamtabgabe im Jahr 1947 erfolgte bis 1961 eine Steigerung 
auf rund 53%. Teilweise ergaben sich zweistellige Zuwachsraten wie Ende der 
40er/Anfang der 50er Jahre, als der Nachholbedarf nach dem Krieg von der verstärkten 
Nachfrage während der Koreakrise 1951/52 abgelöst worden war oder zu Beginn der 
60er Jahre, als die wirtschaftliche Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland 
neuen Aufschwung verhieß. 
100 LA Sbr. MW 622 (Saarlouis). 
101 Ebd. MW 579, 31.03.1949; VSE-AHV, Aufsichtsratssitzung v. 23.03.1949. 
102 Bosch (1954), S. 91. 
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