des noch mit Anfangsschwierigkeiten behafteten neuen Energieträgers auf sich, da sie
bald von dessen Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Technologien überzeugt
waren.
Zahlreiche Beispiele aus Bergbau und Industrie dokumentieren den erfolgreichen Weg,
den sich die Elektrizität auf den Gebieten der Beleuchtung, des Fernmelde- und Signalwesens,
der Kraftübertragung und der Wärmeanwendung in der Saargegend bahnte.
a) Die Königlich-preußische Bergwerksdirektion Saarbrücken
1. Elektrische Beleuchtungs- und Nachrichtentechnik
In dasselbe Jahr wie die Erfindung von Edisons Glühlampe fiel die erste Anwendung
der elektrischen Beleuchtung in der Saargegend: 1879 brannten die ersten Bogenlampen
auf der neuen Rätteranlage der Kohlenwäsche auf den Dechen-Schächten der
Königlichen Steinkohlengrube Heinitz bei Neunkirchen17. Eine ausführliche Beschreibung
der Anlage ging auf die Gründe für die Anwendung dieser neuen Technik
ein18. Unter den bestehenden Absatzverhältnissen der Dechen-Schächte wurde vor
allem Wert darauf gelegt, hinsichtlich der Schiefer- und Staubfreiheit der verladenen
Stückkohlen auch während der dunklen Morgen- und Nachmittagsstunden der Wintertage
sowie bei etwaiger Nachtförderung gleich günstige Resultate zu erhalten, wie
sie bei Tagesbeleuchtung erzielt wurden. Die bisher verwendeten Petroleumlaternen
hatten diesen Anforderungen in keiner Weise genügt. Da aus lokalen Gründen auch
von einer Wiedereinführung der früher vorhandenen Gasbeleuchtung abgesehen werden
mußte, entschloß sich die Grubenverwaltung zur Anwendung des elektrischen
Lichtes19.
Im Dezember 1878 erhielt die Fa. Siemens & Halske den Zuschlag für die Lieferung
der elektrischen Anlageteile, da sie die geringsten Anlage- und die niedrigsten Betriebsund
Unterhaltungskosten für dieselbe Beleuchtungsstärke erforderten. Zugleich bot
das Unternehmen die beste Garantie für eine solide Ausführung20. Die beiden
„dynamo-elektrischen Lichtmaschinen“ wogen jeweils 115 Kilo und wurden bei
einem Leistungsbedarf von je 1,5 bis 2 PS durch Transmission von einer vorhandenen
Dampfmaschine so angetrieben, daß sie 900 Umdrehungen pro Minute erreichten.
Zwei Lampen nach dem System Heiner von Alteneck verbreiteten an den drei Lesebändern,
verschiedenen Ladegleisen, der Ladebühne und einer Drehscheibe so viel
Licht, „daß die sämmtlichen Manipulationen und deren Beaufsichtigung mit der nämlichen
Sicherheit wie bei Tage durchzuführen“ waren; in einer Entfernung von 20 Metern
herrschte immer noch dieselbe Helligkeit, wie sie eine nur 1,4 m entfernte Gasflamme
lieferte21.
17 Zur Bergwerksdirektion vgl. Hasslacher/Jordan/Nasse (1890); Hasslacher
(1904).
18 LASbr. 564/147, Entwicklung 1878/79, ebf. in: ZBHS 1881, S. 234ff. Zur Lage der einzelnen
Gruben vgl. Karte 2.
19 ZBHS 1881, S. 234. Zur Entwicklung der Licht- und Beleuchtungstechnik allgemein vgl.
Gross (1933), S. 72ff. und Köhler (1936), S. 258ff.
20 ZBHS 1881, S. 234.
21 Ebd., S. 236.
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