Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

war, belieferte die VSE die Eisenbahndirektion über die Leitung Wehrden-St. Ingbert. 
Bahn und Grubenverwaltung nahmen dies sofort zum Anlaß, Vertragsstrafen gegen 
den Strom vom Kraftwerk Wehrden anzukündigen bzw. Schadenersatz zu fordern, 
denn sie unterstellten der VSE „arglistige Täuschung, wenn nicht Betrug!“ Hinter dem 
ausdrücklichen Beharren der Bahndirektion auf „MDF-Strom“ standen in erster Linie 
politische Gründe, denn die Eisenbahndirektion des Saargebietes unterstand der Regie¬ 
rungskommission, und bei dieser lag die Genehmigung des Stromlieferungsvertrages. 
Aus ihrer Abneigung gegen ein von der Stadt Saarbrücken beherrschtes Unternehmen 
versagte sie folglich dem Vertrag ihre Zustimmung. Auch dieses Beispiel verdeutlicht 
die weitreichenden politischen Einflüsse im Saargebiet unter der Völkerbundsverwal¬ 
tung, die das öffentliche und wirtschaftliche Leben bestimmten und einer Konsolidie¬ 
rung der Verhältnisse abträglich waren. 
Ein Teil der steigenden Stromabgabe der VSE konnte aus dem Kraftwerk Saarlouis ge¬ 
deckt werden (vgl. Tab. 38). Durch eine Reihe von Verbesserungen, wie beispielsweise 
der Verfeuerung von Schlamm statt hochwertiger Kohle und durch sonstige Betriebs- 
Tabelle 38 Eigenerzeugung der VSE im Kraftwerk Saarlouis 1930 - 1935 
+-+-+ 
J 1 
! Jahr ! 
; ; 
1 
kWh ! 
j 
t » 
Î 1930 ! 
» 
10.849.905 ! 
! 1931 ! 
19.673.091 ! 
! 1932 ! 
19.683.823 ! 
! 1933 ! 
15.774.521 ! 
! 1934 ! 
13.920.755 ! 
! 1935 1) ! 
» » 
5.575.712 * 
» 
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17.6.1935 stillgelegt 
Quelle: Aufsichtsratsprotokolle (VSE-AHV) 
maßnahmen war es nach der Übernahme 1930 anfangs gelungen, die Erzeugungsko¬ 
sten im Kraftwerk deutlich zu senken. Bald jedoch traten größere Probleme auf, die 
zum Teil durch Stromregulierungsarbeiten der Saar bedingt waren und mangels Kühl¬ 
wasserzufuhr eine teilweise Stillegung im Jahr 1933 nach sich zogen. Grundsätzlich er¬ 
wies sich aber auch der Betrieb des Kraftwerkes in Folge seiner Lage und seines Aufbau¬ 
es als zu teuer344. Die 5.000 kW-Turbine war völlig unbrauchbar, die 2 x 1.250 kW- 
Turbinen hatten einen zu hohen Dampfverbrauch. Auch die 10 MW-Turbine arbeitete 
344 Zum Kraftwerk Saarlouis vgl. verschiedene Geschäftsberichte 1930-1935 (VSE-AHV), ASV 
Sbr. GS-26, 16.05.1934, Bericht Keßler-Rodenhauser über eine Fusion. 
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