Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

In die Zeit der vorübergehenden Währungsstabilisierung fiel auch die endgültige Ein¬ 
tragung der Umstellung des Aktienkapitals der SLE von Mark auf französische Francs 
am 25.04.192362. Zwei Jahre zuvor war hierüber in der Generalversammlung zwar be¬ 
schlossen worden, doch sowohl der damals beantragte Eintrag in das Handelsregister 
wie auch ein zweiter Versuch Mitte 1922 wurden vom zuständigen Registergericht in 
erster und zweiter Instanz abgelehnt. Die Satzung der SLE war nicht so geändert wor¬ 
den, daß sie der Umwertung des Mark-Kapitals in französische Francs Rechnung trug. 
Erst eine Verordnung der Regierungskommission des Saargebiets vom 08.12.192263, 
nach der die Umstellung des Aktienkapitals von Mark in Francs zum Kurs des Tages 
der ersten Eintragung, im Falle der SLE/SVG also von 1912, auf gesetzliche Grundlage 
gestellt wurde, brachte die Möglichkeit, die früheren Generalversammlungsbeschlüsse 
Wiederaufleben zu lassen, und führte zur nachträglichen Eröffnungsbilänz in französi¬ 
scher Währung vom 01.01.1922. 
Dem Saargebiet war nur für kurze Zeit ein stabiler Kurs des FF beschert: Die Franke¬ 
ninflation führte ab Oktober 1923 zu einer stürmischen Hochkonjunktur, die der In¬ 
dustrie nach der Markstabilisierung in Deutschland zu günstigen Exportmöglichkeiten 
verhalf64. Für weite Teile der Bevölkerung bedeutete diese Entwicklung jedoch eine 
Entwertung der Realwerte von Löhnen, Gehältern und Renten auf der einen sowie 
eine nominelle Steigerung der Preise auf der anderen Seite65. Erst im Verlauf des Jah¬ 
res 1925 beruhigte sich die Kursentwicklung des Franc. Der Index der Lebenshaltungs¬ 
kosten im Saargebiet für die folgenden Jahre verdeutlicht die zunehmende Stabilisie¬ 
rung (vgl. Tab. 22), wobei die Preise für Strom neben den Aufwendungen für Wohnen 
im Vergleich zur Vorkriegszeit die geringsten Steigerungen aufwiesen. Das Gesamt¬ 
preisniveau war im Saargebiet gegenüber dem Deutschen Reich allerdings deutlich 
höher: Bei Lichtstrom lag der saarländische kWh-Preis viermal, bei Kraftstrom etwa 
dreimal so hoch66. 
4. Die Versorgung der Stadt Saarbrücken mit elektrischer Energie 
Gegen alle wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der Zeit gelang der SLE 
allmählich eine Ausdehnung ihres Versorgungsgebietes. 1920/21 erfolgte gegen den an¬ 
fänglichen Widerstand der Pfalzwerke der Anschluß von Bliesmengen-Bolchen, ein 
Jahr später derjenige von Habkirchen, Ormesheim, Eschringen, Altenkessel, Klaren- 
62 Handelsregistereintrag vom 02.05. und 16.10.1923, Abschrift (StadtA Sbr. BG 7196). 
63 Amtsblatt der Regierungskommission des Saargebiets Nr. 26 v. 15.12. 1922; Die Währungs¬ 
verordnung und die Umstellungsbestimmungen für das Saargebiet (1923). 
64 Vgl. Lehmann (1925), S. 64; ebf.: Die Auswirkungen der Frankenentwertung (1924). 
65 Vgl. Erklärungen der einzelnen Fraktionen des Landesrates des Saargebiets zur Notlage brei¬ 
ter Volksschichten, Sitzung des Landesrates vom 07.01.1925 (LA Sbr. Amtsdrucksachen: 
Stenographische Berichte des Landesrates, p. 35ff.). 
66 Vgl. Ambrosius, Die öffentliche Wirtschaft (1984), S. 142, Tab. 29. 
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