Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

als solcher abgelegt, das angezogene Beispiel sei verfehlt, denn die Entlassung des Peter 
Klein sei aus gänzlich anderen Gründen erfolgt, wie übrigens allgemein bekannt sei; öf¬ 
fentliche Versammlungen abzuhalten, sei aber vollkommen unnötig, da ja die Vertrauens¬ 
männer täglich mit denjenigen, von denen sie gewählt wurden, zusammen kämen und 
somit hinreichend Gelegenheit hätten, über ihre Arbeit im Ausschuß zu informieren. 
Was aber schließlich die Arbeitsordnung angehe, so seien die Arbeiter-Ausschüsse vor 
deren Erlaß gehört worden, daß nicht alles nach deren Wunsch gegangen sei, verstehe sich 
von selbst, etwas anderes sei auch nie behauptet worden. Den Vertrauensleuten blieb 
nichts weiter übrig als zu versuchen, aus den Gegebenheiten das Beste zu machen. Sie 
trugen immer wieder in den Ausschußsitzungen ihre Gravamina vor, die hier naturgemäß 
nicht alle erörtert werden können, konnten indessen auch in diesem bescheidenen 
Rahmen kaum etwas bewegen oder bewirken. 
Ein öfter diskutiertes Problem war die Entlohnung der älteren, nicht mehr voll arbeitsfä¬ 
higen Bergleute, deren Verdienst nach Ansicht der Vertrauensleute zu niedrig war. Sie 
hätten sich, wie ein Vertrauensmann in der Sitzung vom 19. Juni 1894 vortrug, im Dienste 
des Fiskus „aufgeopfert“ und wären nun infolge viel zu niedriger Löhne „nahe daran, mit 
ihren manchmal recht zahlreichen Familien zu verhungern“.58 Dies sei umso weniger in 
Ordnung, als nach dem Willen Sr. Maj. des Kaisers die Saargruben zunächst für die Ar¬ 
beiter da wären, um diesen ein sicheres Auskommen zu gewährleisten, eine etwas überzo¬ 
gene Interpretation des kaiserlichen Erlasses vom 4. Februar 1890, in welchem es ge¬ 
heißen hatte, daß die staatlichen Bergwerke „bezüglich der Fürsorge für die Arbeiter zu 
Musteranstalten entwickelt“ werden sollten.59 
Nach Ansicht des Sulzbacher Vertrauensmannes brauchten die von der Grube erzielten 
Überschüsse so hoch nicht zu sein, wie sie es regelmäßig wären, stattdessen sollte man die 
Gewinne dazu benutzen, jenen älteren Bergleuten einen auskömmlicheren Lohn zu¬ 
kommen zu lassen. Solche Zustände seien es gerade, welche die Unzufriedenheit der Berg¬ 
leute erregten und sie in die Arme der Sozialdemokratie trieben. 
Der Werksdirektor trat dem mit Entschiedenheit entgegen und wies insbesondere den 
Ausdruck „verhungern“ als maßlos übertrieben zurück, machte vielmehr geltend, daß die 
alten, „beinahe bergfertigen“ Leute im Grunde nur aus sozialen Rücksichten weiter be¬ 
schäftigt würden, während man sie im wirtschaftlichen Interesse der Grube eigentlich in 
den Ruhestand schicken müßte. Der Lohn aber, den sie erhielten, müsse, gemessen an 
ihren nur noch geringen Leistungen, als „reichlich“ bezeichnet werden. Die Vertrauens¬ 
leute sollten den alten und halbinvaliden Bergleuten lieber klar machen, daß sie dankbar 
sein könnten, wenn sie trotz ihrer geringen Arbeitskraft überhaupt noch beschäftigt 
würden und 3,00 M Lohn erhielten. Damit würden sie, die Vertrauensmänner, der sozial¬ 
demokratischen Agitation eher entgegenwirken als durch ungerechtfertigte Be¬ 
schwerden. 
58 ebenda, p. 156. 
59 K.-M. Mallmann, a.a.O., S. 183. 
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