Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

hepunkt, am 2. Januar 1893, 83 % der Belegschaft beteiligten.45 Die Motive für diesen 
Ausstand waren einmal die infolge der Absatzflaute erfolgten Lohnkürzungen, wenn¬ 
gleich die Löhne, wie aus der Tabelle auf Seite 70 ersichtlich, immer noch über dem Ni¬ 
veau der Zeit vor dem Boom lagen, zum anderen aber die neue Arbeitsordnung, die am 
1 .Januar 1893 in Kraft trat, und in der im wesentlichen die bestehenden Verhältnisse fest¬ 
geschrieben waren, die Bergleute also, entgegen ihren Hoffnungen und Erwartungen, 
keine ihrer alten Forderungen verwirklicht sahen. Doch auch dieser lange andauernde 
und erbitterte Streik brach am 18. Januar 1893 ergebnislos zusammen. 
a) der Ausschuß der Vertrauensmänner 
Die Streiks von 1889 brachten den Bergleuten zwar unmittelbar keinen Erfolg, letztlich 
aber führten sie durch Verfügung des Oberbergamtes Bonn vom 21. Februar 1890 zur 
Einsetzung von gewählten Vertrauensmännern auf den einzelnen Gruben, deren Aufgabe 
es war, „Anträge, Wünsche und etwaige Beschwerden... bei dem Bergwerksdirektor an¬ 
zubringen und sich in den Zusammenkünften mit dem letzteren gutachtlich zu äußern“46. 
Jede Steigerabteilung war berechtigt, einen Vertrauensmann aus ihrer Mitte zu wählen, 
der mindestens 5 Jahre auf der betreffenden Grube gearbeitet haben mußte; er genoß je¬ 
doch keinen Kündigungsschutz, konnte also bei Mißliebigkeit aus der Grube entfernt 
werden. Soweit brauchte man indessen gar nicht zu gehen, denn eine Versetzung in eine 
andere Steigerabteilung genügte, um dem Gewählten das Mandat und seine Mitglied¬ 
schaft im Vertrauensmänner-Gremium zu nehmen. 
In diesem Gremium führte der Bergwerksdirektor den Vorsitz, und er bestimmte auch die 
Tagesordnung. Ferner enthielt die Verfügung des Oberbergamtes die Vorschrift, daß 
„nur Angelegenheiten allgemeiner Natur den Gegenstand der Beratungen“ bilden 
dürften, keine Beschwerden einzelner Bergleute, die dem Chef der jeweiligen Berginspek¬ 
tion vorzutragen waren. 
Bereits am 9. März 1890 traten die 23 für 2 Jahre gewählten Vertrauensmänner der Grube 
Sulzbach-Altenwald47 zu ihrer ersten Sitzung zusammen, auf der sie sogleich eine Ände¬ 
rung der Bestimmungen verlangten: die Wahl sollte nicht aus der einzelnen Steigerabtei¬ 
lung, sondern aus der Mitte der gesamten Belegschaft erfolgen, und die Vertrauensleute 
sollten während ihrer Amtszeit nicht verlegt werden dürfen.48 Sie drangen mit ihrer For¬ 
derung natürlich nicht durch, denn die Bergwerksdirektion mußte bei einer solchen Statu¬ 
tenänderung eine Massierung unliebsamer Elemente in den Ausschüssen befürchten, die 
dann durch Verlegung auf andere Gruben oder Grubenabteilungen nicht mehr aufzubre¬ 
chen sein würde. 
Während über die Wahlbeteiligung bei der ersten Wahl nichts überliefert ist, wissen wir, 
daß sie im März 1892 bei 73 % lag, in der Grubenabteilung Sulzbach waren es nur 65 %, 
in Altenwald dafür aber 78 %.49 Die Sitzungen des Vertrauensmänner-Ausschusses 
45 ebenda, S. 291. 
46 ebenda, S. 187. 
47 15 für Altenwald, 8 für Sulzbach. 
48 K. M. Mallmann, a.a.O., S. 187. 
49 LAS, Best. 564, Nr. 808, p. 56 f. 
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