Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

V. Die letzten Jahre 
Mangels einer hinreichend dichten Aktenüberlieferung lassen sich die letzten 12 Jahre der 
Grube Sulzbach-Altenwald zwar nicht mehr so detailliert dokumentieren wie in den 
bisher behandelten zeitlichen Abschnitten, doch reicht die Überlieferung aus, um die Ent¬ 
wicklung im wesentlichen nachzuzeichnen. Zunächst einmal wäre zu bemerken, daß die 
Saargruben, soweit sie sich im preußischen Staatsbesitz befunden hatten, nach der Über¬ 
nahme durch Frankreich Staatsunternehmen blieben, nunmehr im französischen Staats¬ 
besitz. Ferner änderte sich auch organisatorisch gar nichts, die französische Administra¬ 
tion behielt im wesentlichen die Förderstandorte der preußischen Berginspektionen bei, 
und sie arbeitete, wie einst zu Napoleons Zeiten, mit dem deutschen Personal, lediglich 
die Führungskräfte wurden durch französische Beamte ersetzt. Die Grube Sulzbach, nun¬ 
mehr „Mellin“ genannt, und Altenwald bildeten nach wie vor die Berginspektion V als 
betriebswirtschaftliche Einheit. 
Der Vollständigkeit halber sei noch vermerkt, daß die ursprünglich bayrischen Gruben St. 
Ingbert und Bexbach sowie die Privatgrube Frankenholz ebenfalls unter französische Ver¬ 
waltung kamen. Die Inspektion VIII gab während der französischen Administration die 
Grube Wellesweiler an die Division Bexbach ab, die dann 1934 eingestellt wurde. In den 
Jahren 1925 - 27 wurde der Marcel-Bertrand-Schacht I in Schiffweiler abgeteuft und 
somit eine neue Außenschachtanlage geschaffen, während in der lnspektion IX 1928 die 
Grube Friedrichsthal aufgegeben wurde, so daß hier nur die Grube Maybach als selbstän¬ 
diger Förderstandort bestehen blieb.1 
Der technische Betrieb war in diesen Jahren vor allem gekennzeichnet durch zwei wichtige 
Neuerungen: der Einsatz der mit Druckluft betriebenen Abbauhämmer und die ver¬ 
mehrte Verwendung der Schrämmaschine, beides Mittel zur Mechanisierung der Kohle¬ 
gewinnung vor Ort, wodurch eine Steigerung der Arbeitsproduktivität erzielt wurde, die 
sich, wie noch zu zeigen sein wird, in einer entsprechenden Erhöhung der Schichtlei¬ 
stungen niederschlug. Zwecks umfassender Anwendung von Druckluft als Antriebsmittel 
wurden an den Mellin- und Eisenbahnschächten sowie am Kolonieschacht drei elektri¬ 
sche Kompressoren von je 800 PS Leistung aufgestellt.2 
Die Verwendung von Druckluft-Abbauhämmern hatte nun nicht nur eine größere Ar¬ 
beitsleistung und damit auch die Möglichkeit höheren Verdienstes zur Folge, sondern es 
wurden zugleich zwei für den Bergmann stets lauernde Gefahrenquellen zwar nicht völlig 
beseitigt, aber doch eingedämmt: die Mechanisierung der Gewinnung ermöglichte einen 
schnelleren Vortrieb des Abbaues, wodurch das Hangende besser blieb und die Gefahr des 
Zubruchgehens weniger bestand. Der Einsatz der komprimierten Luft anstelle des 
Sprengstoffes reduzierte ferner die Gefahr der Schlagwetter- oder Kohlenstaubexplo¬ 
sionen; daß diese aber niemals ganz zu beseitigen waren, machte die große Schlagwetter- 
1 
2 
Robert Waldura: Bergbau im Wandel. In: Saarbrücker Bergmannskalender 1966, S. 63. 
Louis Bourdoire: Die Inspektion V zu Sulzbach. In: Saarbrücker Bergmannskalender, 1927, S. 
25. 
114
	        

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