Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

aequalitate detentum, et ad visitandum eum 
non omnes quidem simul, diversis tamen tem¬ 
poribus omnes abeunt, portantes unusquisque 
secum si quid apud se est, quod aegro possit gra¬ 
tum videri. Aliam vero ob caussam nullus audet 
proximi sui obturbare silentium, nisi forte quis 
possit in verbo instruere, et velut athletas in 
agone positos sermonis consolatione perungere. 
Multi ipsorum a tribus et quatuor millibus ad 
Ecclesiam coeunt: ita longo a semetipsis spatio 
habitationis eorum cellulae dirimuntur: sed ca¬ 
ritas in eis tanta est, et tanto inter semetipsos et 
erga omnes fratres constringuntur affectu, ut in 
admiratione et exemplo sint omnibus. 
Die Abhängigkeit geht so weit, daß sogar die ungewöhnliche Schreibvariante caus¬ 
sa übernommen wird. Wichtiger ist jedoch, daß die Paulusvita die Einsiedler des 
Vosagus und mit ihnen Paulus nach dem Modell einer halbcoenobitischen Ana- 
choretengemeinschaft der Urzeit des Mönchtums zeichnete. 
Die Nachricht der, Vita S. Pauli' über die Vosagus-Anachoreten hat zwischen 994 
und 1008 Eberwin, Abt von Tholey und St. Martin in Trier, aufgegriffen und in 
seiner ,Vita S. Magnerici', der Legende des Gründers seines Trierer Klosters aus¬ 
gebaut238 239: Er will wissen, daß zur Zeit des Bischofs Magnerich (zweite Hälfte des 
6. Jhs.) im Territorium von Trier und im Vosagus plurimi monasticae institutionis 
et religionis viri gelebt hätten; Deo militantes, alii prope, alii longe singularem sive 
communem vitam ducentes. Die Abhängigkeit von der, Vita S. Pauli' liegt in wört¬ 
lichen Übernahmen (plurimi... militare ...) offen zu Tage; freilich lenkt der Bene¬ 
diktiner Eberwin, der Freund Richards von St. Vanne, den anachoretischen Impe¬ 
tus der Paulslegende sofort in monastische Bahnen. So wird den verschiedenen ser¬ 
vi Dei auch die Gründung zahlreicher bis heute noch bestehender Klöster zuge¬ 
schrieben, in denen sie coenobialiter conversabantur1^. Er weiß auch Namen: an 
erster Stelle Paulus, dann Ingobertus, Disibodo, Wandalinus, Carilessus (Carilef- 
fus?) und Columban (mit Gallus), dessen Klostergründung Luxeuil ausdrücklich 
erwähnt wird240. Aus den cellulae der Einsiedler in der Paulsvita sind also Klöster 
238 AA SS Juli VI 168 ff.; vgl. u. S. 164 ff. 
239 Vgl. zur Analyse des Abschnitts Haubrichs, Basenvillare 11 ff. 
240 Deutlich ist, daß Eberwin die unbestimmten Angaben der Paulus-Vita über die Vosagus- 
Anachoreten mit Namen aufgefüllt hat. Er entnahm die Namen schriftlichen und münd¬ 
lich umlaufenden Legenden. Auch die Festnähe könnte eine Rolle gespielt haben. So fin¬ 
det man für den Vortag des Paulusfestes, für den 7. Februar also, im Usuard-Martyrolog 
der Brüsseler Kartause (AA SS Febr. II4) den Eintrag: die 7. Februarii Ingoberti et Wen- 
delini Confessorum et Episcoporum Trevirensium, ein Eintrag, der sich wohl auf das ur¬ 
sprüngliche Ingobertus-Fest bezieht. Vgl. Selzer, St. Wendelin 54. 
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