Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

Konventsliste von 1488 nicht wiederfinden, als ob sie auch diese Bedingungen 
nicht akzeptiert hatten und aus dem Konvent ausgeschieden wären. Es war der Zu¬ 
sammenstoß zweier monastischer Welten, des alten adligen Mönchtums, das sei¬ 
nen Lebensstil auch im Kloster weiterpflegen wollte, mit dem neuen auf Erneue¬ 
rung und strikte Einhaltung der Regel bedachten Reformmönchtum1121. 
Für die Reform wurden sieben neue Mönche aus Maria Laach und einer aus Köln 
(St. Pantaleon) gewonnen, darunter der durch theologisches und kanonisches 
Wissen ausgezeichnete Gerhard von Hasselt, dann Johannes von Enckhausen in 
seculanbus litteris sufficienter imbutus (f 1508), auch Wilhelm vir divinis scripturis 
Studiosus et secularis literature disciplinis eruditis (f 1514). Es wurde also Wert dar¬ 
auf gelegt, die literarische und wissenschaftliche Tradition des benediktinischen 
Mönchtums in Tholey zu erneuern1122. 
Im Juli war der Reformbeschluß gefaßt worden, bereits am 28. August 1485 lag ein 
Aufnahmeantrag beim Generalkapitel der Bursfelder Kongregation vor; man er¬ 
reichte jedoch wegen eines Formfehlers nur die vorläufige Aufnahme1123. Erst auf 
dem Generalkapitel des Jahres 1487 wurde Tholey endgültig aufgenommen1124. 
Auf dem Generalkapitel von 1488 wird Abt Damianus in Tholeya - wohl wegen 
Krankheit - als fehlend gemeldet1125. Das Kapitel beschließt, Tholey durch die Ab¬ 
te von Laach und Mettlach erneut visitieren zu lassen1126. 
Am 2. oder 3. Februar 1489 starb Abt Damian1127. Auf dem Bursfelder Generalka¬ 
pitel des Jahres wurde er noch 1489 in das Totengedächtnis (freilich zum falschen 
Datum des 12. Februar) der Kongregation aufgenommen1128. 
65. Gerhardus de Hasseilt (1489 — 24. VIII. 1517): 
Gerhard von Hasselt (in den Niederlanden) war zunächst cellerarius der Abtei ge¬ 
wesen; am 18. II. 1489, schon wenige Tage nach dem Tode seines Vorgängers, lei¬ 
stete er dem Trierer Erzbischof den Eid1129. 
1121 Vgl. Lager, Tholey 592 ff.; Levison, Geschichte 81; Scheer, Abtei 64; Stock, Abtei 19. 
1122 Scheer, Abtei 72 ff. 
1123 Lager, Tholey 594. 
1124 Linneborn, Bursfelder Kongregation 37; vgl. Lager, Tholey 595. 
1125 Volk, Generalkapitelsrezesse 231. 
1126 Volk, Generalkapitelsrezesse 234. 
1127 Vgl. o. S. 16. 
1128 Volk, Generalkapitelrezesse 236. Damianus abb. Tholeye (F. 125v) findet sich auch — dies¬ 
mal zum 9. II. — im etwa 1486 angelegten und bis ins 19. Jn. weitergeführten Nekrolog der 
Trierer Abtei St. Mathias (Cod. Trier Seminarbibi. 63, F. 120 -179) neben anderen Tholeyer 
Einträgen bis zu Abt Lucas von Aufeldt (t 1582), die sämtlich Nachträge zum Grundstock 
darstellen: zum 6. III. Dns Rupert[ujs Wiek Ab.: in Tboleya (Rupert von Wyck 1540-1572); 
zum 21. III. Antbonius Wiek S. Mauricii in Tboleya mo: n; zum 9.1 V.Lucas abbas in Tholeia 
(1572-1582); zum 24. VIII. Gerardus abbas Tholeiensis (vgl. u. Anm. 1150); zum 25. VIII. 
balthasar abbas tholeiensis (Balthasar von Utrecht t 1531) zum 20. X. Judocus abbas tholei- 
en[sis](Judokus von Köln 1517-1520); zum 24. XI. P[ate]r Wilhelmfus]Gaudan[us]prior sanc- 
ti Mauricii in Tholeia; zum 5. TAI. fr [ater l Henric[u]s Boten in toleia; zum 6. XII. Francisc[u]s 
Amersfordt Cellerarius S. Mauritii in Tholeia; zum 9. XII. Pater Petrus parthenheym monachus 
S. mauricii in Tholeia; zum 10. XII. fr[ater]Nic[olaus]hermeskeil conuer[sus]mfonastejrii tolei- 
ensis. Die Einträge spiegeln einen Verbrüderungsvertrag zwischen beiden Abteien. Vgl. 
Redlich, Johann Rode 47 f. Anm. 6; Marx, Handschriftenverzeichnis 52 f. 
1129 Lager, Tholey 595. Vgl. Stock, Gerhard von Hasselt 63 ff. 
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