Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

durchgesetzt. Er besaß gute Beziehungen zu den ostfränkischen Herrschern, wie 
Schenkungen Ludwigs, Karls III. und Arnulfs an ihn beweisen693. Seine regen Akti¬ 
vitäten auf Synoden und Reichsversammlungen zeigen, daß er neben Hatto von 
Mainz und dem ihm persönlich befreundeten Salomo III. von Konstanz zu den 
Trägern des sich gegen Ende des Jahrhunderts ausbildenden bischöflichen Reichs¬ 
regiments gehörte694. Wahrscheinlich 889 wurde Verdun von den Normannen 
heimgesucht. Dado verfaßte über die calamitates et miseriae der Kirche von Ver¬ 
dun ein elegisches Gedicht, das er Remigius von Auxerre dedizierte und das auch 
Salomo kannte695. Im Jahre 893 ließ er in einem leider nur fragmentarisch erhalte¬ 
nen Memoriale die Taten, Schenkungen und Erwerbungen seiner Vorgänger seit 
Hatto aufzeichnen696. Im Innern führte er die Trennung zwischen den mensae des 
Domstifts und des Bischofs durch 697. Nach dem Brand der Kathedrale ließ er 916/ 
17 durch Berthar alles aufzeichnen, was an historischer Überlieferung über die 
Entwicklung des Verduner Bistums vorlag698. 
In Tholey behielt er das Bischofsabbatiat bei698a. Er hatte alle Veranlassung, das 
Kloster weiterhin eng an die Stadt an der Maas zu binden, war doch die Bedrohung 
des Saarbesitzes mit der Einrichtung von stärker an den Erzbischof gebundenen 
Archidiakonen statt der Chorbischöfe unter Ratbod von Trier699 nicht geringer ge¬ 
693 MG SS IV 37 f. 45; Memoriale Dadonis, ed. Roussel, Histoire Verdun, Anhang, preuves Nr. 1. 
694 Salomo III. von Konstanz schickte vor dem 18. V. 906 an Dado ein Gedicht, in dem er u. 
a. Kritik am Bürgerkrieg der Stände des Reiches und der divisio imperii übte. Vgl. Dümmler, 
Gesch. ostfränk. Reich III 527 f.; Manitius, Geschichte I 594 ff. Die Gedichte Salomos III. 
an Dado zeigen sehr deutlich, daß beide untereinander und mit Erzbischof Hatto von Mainz 
in einer amicitia vereinigt waren, welche politische Konsequenzen hatte, aber auch die gegen¬ 
seitige memoria im Falle des eigenen Todes oder des Ablebens eines Verwandten in sich 
schloß. Vgl. dazu G. Althoff, in: ZGO 131 (1983191 ff. Es ist zu überlegen, ob diese amicitia 
nicht — wie im Falle der Beziehung zwischen Salomo und Hatto nachgewiesen (Haubrichs, 
Zeugnisse 20 f. u. ö) — auch auf Dado Auswirkungen im Bereich des Heiligenkultes hatte: 
Hatto förderte in Mainz und auf der Reichenau den Kult des Mainzer Märtyrers Albanus. 
In Tholey befanden sich Reliquien des Albanus sowie der mit St. Alban verbundenen Märty¬ 
rerin Justina (AA SS Juni III 57 ff.), auch gab die Abtei ihrer Eigenkirche in Thalexweiler 
das Patrozinium des Märtyrers. Vgl. Levison, Geschichte 74; Pauly, Landkap, Wadrill 146 f. 
695 Jussy, Histoire Verdun II57; Manitius, Geschichte II353. Zwei Distichen haben sich bei Lau¬ 
rentius von Lüttich (MG SSX 491) erhalten. Laurentius erwähnt auch eine epistola Virdunen- 
sis cleri über die Normannen- und Ungarneinfälle. 
696 Roussel, Histoire Verdun, Anhang, preuves Nr. 1. Teile des verlorenen Temporale lassen 
sich wohl aus der auf Papst Leo IX (1049) gefälschten Besitzbestätigung rekonstruieren (ebd. 
Nr. 3). 
697 Vgl. Jussy, Histoire Verdun II 61 f.; Schieffer, Entstehung 276. 
698 Vgl. die Vorrede Berthars zu seinen ,Gesta episcoporum Virdunensium‘, MG SS IV 39 f. 
698a Dasselbe gilt auch für St. Vanne, wo eine Urkunde 911/23 adressiert ist (Bloch, Urk. St. 
Vanne I Nr. 7): Venerabili in Christo domno Dadoni episcopo custodi sancte dei ecclesie vel reli- 
quis canonicis sancti Videni. .. Auch Dados Vorgänger Berhard, der Restaurator des Stifts, 
der ihm seinen Erbbesitz aus dem Episkopium zurückgab, dürfte die Institution selbst gelei¬ 
tet haben, nennt doch die einzige Urkunde aus der Zeit seines Episkopats von 882 (ebd., Nr. 
6) keinen Abt, sondern adressiert fratribus ecclesie sancti Vitoni. Schließlich gilt Ähnliches 
später für Bischof Berengar, der auch in Tholey zu Beginn seines Episkopats den Abtsstuhl 
innehatte; er muß 940 einer Transaktion der Abtei St. Vanne zustimmen, was seine dortige 
mtor-Funktion wahrscheinlich macht (ebd. Nr. 8). 
699 Vgl. o. S. 58. 
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