Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

eine Grundherrschaft, die um Welferdingen (St. Walfrid) zentriert war539. Die 
Pfarrbezirke beider Grundherrschaften waren ineinander verzahnt540. Die viel¬ 
leicht älteste Kirche des Raumes, St. Agatha in -I- Kuchlingen, stand bei einem me- 
rowingischen Friedhof und war der Heiligen geweiht, der Adalgisil Grimo seine 
Stiftung Longuyon gewidmet hatte541. Als Verwandte des Charibert, Pippin der 
Mittlere und seine Gemahlin Plektrud, die Schwester der Bertrada, darangingen, 
das Kloster Echternach zu fundieren, wurde darüber im Jahre 706 in Saargemünd 
verhandelt542. Auch für diesen Verwandtschaftsverband, die sog. Irmina-Sippe, 
lassen sich zwischen 682/83 und 708 Beziehungen zum Chrodoinen-Kloster Wei¬ 
ßenburg nachweisen543. Verwandtschaft des Tholeyer Abtes Herbert mit Graf 
Charibert von Laon ist also mit besitzgeschichtlichen und klostergeschichtlichen 
Erwägungen zu stützen. Der Name ist ferner im 7. und frühen 8. Jahrhundert 
nicht häufig, wohl weil er zum geheiligten Namenbestand der merowingischen 
Königssippe gehörte544. Erst als mit dem endgültigen Niedergang des merowingi¬ 
schen Königtums um 700 die Scheu vor dem Königsnamen verschwand, wird er 
Allgemeingut. Zuvor ist Charibert von Laon, Angehöriger eines fränkischen 
Reichsadelsgeschlechts, nahezu der einzige nichtkönigliche Repräsentant des Na¬ 
mens. Auch diese Seltenheit des Namens spricht für verwandtschaftliche Bezie¬ 
hungen zwischen Tholeyer Abt und Irmina-Sippe545 546. 
9. *Hnodo (*Ando?)54b 
10. Fideardus547: 
Dieser Abt trägt einen frankoromanischen Hybridnamen. 
539 Pauly, Güter 36 ff.; Kirch, Geschichte Welferdingen I 193 ff. 
540 Haubrichs, Ortsnamen I 44 ff. 
541 Herrmann/Nolte, Frühgeschichte St. Arnual 112; Haubrichs, Ortsnamen I 32. 
542 Wampach, Gesch. Echternach 1,2, Nr. 14. Die Identifizierung des Gamundiis der Urkunde 
mit Saargemünd ist zum einen durch den Besitz der Plektrud-Verwandten im benachbarten 
Blittersdorf und wohl auch in Saargemünd, zum andern durch die Anwesenheit des in gleich¬ 
zeitigen Weißenburger Urkunden faßbaren centenarius des oberen Saargaus mit Namen 
Charduin unter den Zeugen zu sichern. Vgl. Ebling, Prosopographie Nr. CVI. 
543 Vgl. o. S. 116. Nach K.F. Werner, Untersuchungen 101 ff.; K. F. Werner, Adelsfamilien 
105 f. deutet die Verwendung merowingischer Namen (Charibert, Theuderich) auf Verwandt¬ 
schaft mit dem Königshause. Vgl. aucn Ebling/Jarnut/Kampers, Nomen 692. 
544 Vgl. Förstemann, Personennamen 766 f.; Morlet, Noms I 125. 
545 Im Cod. UB Freiburg i. Br. 702 liegt ein aus der Tholeyer Bibliothek stammendes Hand¬ 
schriftenfragment des achten Jahrhunderts in angelsächsischer Schrift vor, das den Prolog 
zum Lukasevangelium enthält. Vgl. Dold, Handschriftenreliquie 125 ff.; Herrmann, Klo¬ 
sterbibliotheken 27 f. Man hat dieses Fragment wegen seiner angelsächsischen Herkunft gele¬ 
gentlich als Argument für frühe Beziehungen Tholeys zum angelsächsischen Willibrord- 
Konvent von Echternach verwandt. Das Indiz ist jedoch zu schwach, um tragfähig zu sein. 
Es gibt ferner Hinweise auf ein weiteres, noch im 18. Jh. in Tholey liegendes Evangeliar des 
8. Jns.: Herrmann, Klosterbibliotheken 26. 
546 Vgl. o. S. 49 Nr. 9 
547 Vgl. o. S. 49 Nr. 10. 
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