Volltext: Bildungspolitik im Saarland

Der Wechsel an der Spitze der saarländischen Kultusverwaltung, von der Militärregie¬ 
rung von langer Hand vorbereitet78, kam für die saarländische Öffentlichkeit, soweit sie 
sich damals schon für Personalentscheidungen mit politischem Hintergrund interessierte, 
überraschend. Das galt insbesondere für die beiden Kirchen, die schon bald von den Mi¬ 
litärbehörden als kompetente Gesprächspartner in Schulfragen anerkannt worden waren. 
So notierte der Generalvikar des Bistums Trier, Heinrich von Meurers, in seinem Tage¬ 
buch im Anschluß an seine Ausführungen über ein schulpolitisches Gespräch zwischen 
Weihbischof Metzroth und Jung, daß er nachher gehört habe, daß am gleichen Tage in 
Saarbrücken ein neuer Leiter der Schulabteilung in der Person des Professors Straus (!) er¬ 
nannt worden sei. Er vermerkte dann aber beruhigend, daß Straus ein überzeugter Ka¬ 
tholik sei, der zugesagt habe, daß er alle Fragen im Sinne der Kirche bearbeiten und lösen 
werde79. Dagegen zeigten sich die Vertreter der evangelischen Kirche über die Nachricht 
von der Ablösung Jungs bestürzt80. Ausgelöst wurde damit über einen längeren Zeitraum 
eine heftige Opposition gegen Straus, die in den Erinnerungen von Straus vor allem in der 
Person des Kirchenrats Wehr ihre Kraft entwickelte81. 
Der personalpolitische Dirigismus der Militärregierung betraf aber nicht nur die Amtslei¬ 
tung der zivilen Schuladministration, er griff bis Anfang 1946 auch massiv in ihre innere 
Struktur ein. Beispielhaft hierfür ist die Neubesetzung der Oberschulratsstelle, in deren 
Zuständigkeit bekanntermaßen die Inspektion des gymnasialen Schulwesens liegt. Neu¬ 
reuter konnte der Militärregierung für dieses Amt mit dem gebürtigen Saarländer Her¬ 
mann Mathias Goergen, einem Schüler Friedrich Wilhelm Foersters und ehemaligen Phi¬ 
losophieprofessor an der zur Gründung anstehenden Katholischen Universität Salzburg, 
der sich 1941 einer möglichen Verhaftung durch die Nationalsozialisten durch Flucht 
nach Brasilien entzogen hatte und dort in dem nördlich von Rio de Janeiro gelegenen Juiz 
de Fora auf seine Rückkehr aus der Emigration wartete, einen zweifelsohne qualifizierten 
und in jeder Beziehung politisch unverdächtigen Anwärter82 vorschlagen83. Trotzdem be¬ 
stand sie auf die Ernennung Hugo Burghardts, den Direktor des Realgymnasiums in St. 
Ingbert. Burghardt, kontaktscheu und ein Mann von sprödem Charakter, war während 
des Zweiten Weltkrieges deutscher Bildungsoffizier in Lothringen gewesen und hatte dort 
opponierende Persönlichkeiten wie zum Beispiel den späteren Rektor der Universität 
78 Interview E. Straus vom 1. 5. 1978. 
79 BA Trier, Abt. 105, Chronik 1946, S. 10. 
80 Vgl. dazu das Schreiben des Pfarrers Bronisch (Saarbrücken-Malstatt) an Kirchenrat Otto Wehr 
vom 31.1. 1946. Dort heißt es in einem bedauernden Unterton u. a.: Das Jung heute gestürzt ist 
zu Gunsten eines Herrn Strauss (!), werden Sie schon gehört haben. Archiv des Evangelischen 
Kirchenkreises Saarbrücken, Bestand Nachlaß Wehr, Aktengruppe 3. 
81 Interview E. Straus vom 1. 5. 1978. 
82 1950 übernimmt H. M. Goergen eine Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der 
Bundesuniversität in Juiz de Fora. Im Jahre 1954 kehrt er ins Saarland zurück und übernimmt 
hier vom Januar 1955 an bis zum Oktober 1955 die Generaldirektion von Radio Saarbrücken. 
Entschiedener Befürworter für die Annahme des Saarstatuts. Im Jahre 1956 wird Goergen Vor¬ 
sitzender der CVP und ist in dieser Eigenschaft maßgeblich an der späteren Fusion seiner Partei 
mit der CDU beteiligt. 1957 bis 1961 MdB (CSU Saar/CDU). Seit 1960 Präsident der von ihm 
begründeten Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft in Bonn; 1969 Großes Bundesverdienstkreuz. 
Nach D. M. Schneider, S. 536. 
83 Schreiben Neureuters an Grandval vom 15. 2. 1946. LA Saarbrücken, Bestand KM, Abt. Allge¬ 
meine Verwaltung, Z I - B 6 1945. 
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