Full text: Bildungspolitik im Saarland

Das war zwar eine an sich klare Position, die Frankreich hier einnahm, ihre Bewährung 
war aber entscheidend von der hier schon offenkundig werdenden Schwierigkeiten einer 
klaren Definition eines künftigen Saarstatus abhängig, das in seinem Generalziel schon im 
Januar 1948 nur mit der diplomatischen Kompromißformel vom Gleichgewicht zwischen 
Festigung französischer Machtinteressen und der Entfaltung einer hinreichend gekräf- 
tigten saarländischen Autonomie umschrieben werden konnte. War aber ein solcher Aus¬ 
gleich überhaupt erreichbar? 
Die Neigung Frankreichs, das Saarland eher im Bild eines Protektorats als in der ihm zu¬ 
gestandenen Autonomie zu sehen, wird schon in den Instruktionen der französischen Re¬ 
gierung vom 4. Juli 1947 deutlich. Dort wird die freiwillige Annahme einer Verfassung 
im Rahmen eines weisungsgebenden Statuts nur als un prélude bezeichnet. Das Endziel 
sei eine Sarre nouvelle und das erfordere eine travail obscur long, mais efficace. Nötig sei 
vor allem ein établissement d’un cadre administratif und eine éducation des fonction¬ 
naires sarrois, en commençant par ceux qui pourront, dans quelques années, prendre des 
responsabilités und die organisation juridique orientée vers le droit français.28 Damit 
machte Frankreich auch jetzt noch Ansprüche geltend, die ungeachtet der in Aussicht ge¬ 
nommenen Kulturautonomie für die kommende Bildungspolitik des Saarlandes weitrei¬ 
chende Folgen haben mußte. Das Saarland als Protektorat, diese Vorstellung muß auch 
General Laffon gehabt haben, wenn er die Stellung des Hohen Kommissars an der Saar 
in einem Schreiben an Debré wie folgt bestimmt sehen wollte: 
Le rôle du Haut-Commissaire sera donc analogue à celui des Préfets en France et celui de 
ses collaborateurs économistes et financiers devra s’exercer, comme dans un département 
français, sur instructions des Ministres parisiens,29 
Der kommende Saarstatus hat die Spannung zwischen Protektorat und Autonomie nie 
auflösen können. Der von Frankreich im Jahre 1947 gehegte Wunsch, 
la présence française doit être réelle mais sans devenir pesante. Il faut que les Sarrois 
éprouvent le sentiment de mieux eu mieux fondé qu’ils s’administrent eux-mêmes et que, 
réserve faite de l’unité économique et de ses conséquences, ce sont eux, citoyens de la 
Sarre, qui ont la charge de leur vie collective, 
erwies sich bald als Trugschluß. Der von Frankreich absolut gesetzte Wille, d’assurer le 
respect de l’union économique à l’encontre de toutes menées hostiles,30 kollidierte bald, 
wie noch aufzuzeigen sein wird, mit den Interessen des saarländischen Regionalismus und 
vom Jahre 1950 an mit dem rasch wachsenden Anspruch auf nationale Selbstbestim¬ 
mung. In dieser kommenden Konfrontation, die auch und gerade das Bildungspolitische 
erfassen mußte, konnte weder das von Grandval im Jahre 1980 erwähnte Modell Luxem¬ 
burg31 noch die europäische Lösung einen Ausweg zeigen. 
28 Zitate nach Instruktionen der französischen Regierung (Cabinet du Ministre) zur Saarpolitik 
vom 4. 7. 1947. Ministère des Affaires Étrangères, Archives et Documentation, Bestand Z 
Europe 1944 - 1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au Quai d’Orsay, Nr. 1. 
19 Laffon an Debré vom 2. 6. 1947. Laffon benutzt in seinem Schreiben die Anrede „Mon cher 
ami“. Ministère des Affaires Étrangères, Archives et Documentation, Bestand Z Europe 1944 - 
1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au Quai d’Orsay, Nr. 1. 
30 Instruktion der französischen Regierung vom 4. 7. 1947. Ministère des Affaires Étrangères, Ar¬ 
chives et Documentation, Bestand Z Europe 1944 — 1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au 
Quai d’Orsay, Nr. 1. 
31 Nach Saarbrücker Zeitung vom 21. 10. 1980. Beilage: „Vor 25 Jahren: Saarländer zwischen 
Nein und Ja“, S. 6. 
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