Full text: Bildungspolitik im Saarland

wirtschaftliche Stellung erreichen. Wenngleich die Industrie im Jahre 1954 mit einem An¬ 
teil von 56,5 % am saarländischen Bruttosozialprodukt7 in ihrer dominierenden Stellung 
auch unangefochten blieb, so vermochte sich der Handel mit 10,9%, das Handwerk mit 
7,8 %, die Transportwirtschaft mit 5,1 %, und die mittelständischen Dienstleistungsbe¬ 
reiche mit 7,0 % mit einem Gesamtanteil von 32,4 % gegenüber der Land- und Forstwirt¬ 
schaft mehr als gut behaupten; denn deren Beitrag war mit 2,7 % unbedeutend8. 
2. Soziale Schichtung und soziale Verhältnisse 
Nach dieser kurzen Übersicht der saarländischen Wirtschaftsstrukturen sei nunmehr ein 
Blick auf die soziale Schichtung und die sozialen Verhältnisse des Saarlandes geworfen, 
da gerade sie Rückschlüsse auf die Bildungsansprüche der Bevölkerung dieses Landes zu¬ 
lassen. Von den rund 410 000 saarländischen Erwerbspersonen, die man im Jahre 1951 
zählte, waren55,l % im Wirtschaftsbereich von Industrie und Handwerk, 16,1 % inner¬ 
halb des Handels- und Verkehrssektors, 14,9 % in der Land- und Forstwirtschaft und 
13,9 % im Öffentlichen Dienst beschäftigt9. Die Vergleichsdaten der Bundesrepublik 
Deutschland zum gleichen Zeitpunkt lauteten 48,6 % (Industrie und Handwerk), 17,3 % 
(Handel und Verkehr), 16,3 % (Öffentlicher Dienst) und 17,8 % (Land- und Forstwirt¬ 
schaft)10. Die Beschäftigungsstruktur an der Saar war im Durchschnitt also ähnlich gela¬ 
gert wie in der Bundesrepublik. Wenngleich dieser Zahlenvergleich mit Blick auf die 
Stärke der Nachfrage nach qualifizierten Bildungsgängen schon Vermutungen zuläßt, so 
ermöglicht doch erst eine Aufschlüsselung nach Kreisen konkretere Hinweise. Vorausset¬ 
zung einer solchen Absicht ist allerdings die Kenntnis der saarländischen Bevölkerungs¬ 
struktur11, sie erst vermag die folgenden Statistiken über die saarländischen Erwerbs- und 
Sozialstrukturen ms rechte Licht zu rücken. Ihre detaillierte Erläuterung bietet sogleich 
Gelegenheit, die verwaltungsmäßige Gliederung auf Kreisebene aufzuzeigen. 
Am 31. Dezember 1951 lebten im Saarland 959 649 Menschen, womit diese Region eine 
Bevölkerungsdichte von 3 74 Einwohner auf den km2 erreichte12 13. Damit kam das Saarland 
fast auf den gleichen Wert wie Nordrhein-Westfalen im Jahre 1950. Damals wurde dieser 
dichtbesiedelste Flächenstaat der Bundesrepublik Deutschland mit 389 Menschen auf 
den km2 ausgewiesen. Weit niedriger lag die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in der 
Bundesrepublik Deutschland insgesamt, sie erreichte 1950 nur 194 Einwohner auf den 
km213. Die meisten Einwohner im Saarland zählte im Jahre 1951 der Kreis Saarbrücken- 
Land mit 247 477 Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von 644 Menschen auf den 
7 Das saarländische Bruttosozialprodukt im Jahre 1954 belief sich auf rund 300 Mrd. ffrs. Dies 
sind, umgerechnet auf der Basis des damals gültigen Kurs von 100 ffrs zu 1,20 DM rund 3,6 Mrd. 
DM. Damit erreichte das Saarland eine wirtschaftliche Leistung von rund 3 600 DM pro Kopf 
der Bevölkerung. Die entsprechende Vergleichszahl für die Bundesrepublik Deutschland lautet 
2 937 DM. 
8 Nach Statistischem Handbuch (Saarland 1955), S. 157. 
9 Statistisches Handbuch (Saarland 1955), S. 63. 
10 Statistisches Handbuch (Bundesrepublik Deutschland 1955), S. 109. 
11 Auf einen historischen Ansatz bei der Beschreibung der saarländischen Bevölkerungsstruktur 
wird hier ebenso verzichtet wie bei der später folgenden Darstellung der Sozialstruktur. Die hi¬ 
storische Entwicklung der Bevölkerungs- und Sozialstruktur schildert eingehend A. Merz, S. 
702-725. 
12 Statistisches Handbuch (Saarland 1952), S. 12. 
13 Statistisches Handbuch (Bundesrepublik Deutschland 1955), S. 109. 
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