Full text: Bildungspolitik im Saarland

darstellte, die ergänzt wurde durch die saarländische Besonderheit des Verwaltungs- 
ratesn, so liegt das vor allem daran, daß das Amt des Rektors zwar ähnlich wie in Frank¬ 
reich administrativ vergeben wurde, wobei, wie bereits dargelegt, der Verwaltungsrat und 
die Kultusministerien in Saarbrücken und Paris beteiligt waren, seine Aufgaben aber an¬ 
gesichts der Kontinuität des öffentlichen Bildungslebens im Geist deutscher Überliefe¬ 
rungen anders definiert werden mußte als in Frankreich. Dort fungiert der Rektor einer 
Universität bekanntlich als Grand-Maître de l’université nicht nur als Leiter einer akade¬ 
mischen Institution, sondern auch und insbesondere als oberster Aufsichtsbeamter über 
das gesamte Schulwesen eines sogenannten akademischen Distrikts. Diese Inspektions¬ 
aufgabe fiel im Saarland völlig weg. Aufsicht und Verwaltung des saarländischen Schul¬ 
wesens blieben im Sinne der zugestandenen Kulturautonomie in der alleinigen Zuständig¬ 
keit des saarländischen Kultusministeriums. Der Rektor der Saarbrücker Universität kon¬ 
zentrierte sich wie in Deutschland gänzlich auf seine Aufgabe als Repräsentant und ge¬ 
schäftsführender Leiter seiner Hochschule. Er war zwar für sein Amt nicht, wie es die 
deutsche Tradition akademischer Selbstverwaltung verlangt, kollegial legitimiert, son¬ 
dern mußte es, wie bereits dargelegt, im Auftrag des Verwaltungsrates ausüben. Da dieser 
aber in der Regel nur dreimal im Jahr tagte, konnte er ungeachtet der umfangreichen 
Kompetenzen dieses administrativ geprägten Aufsichts- und Entscheidungsorgans den¬ 
noch einen bemerkenswerten Handlungsfreiraum gewinnen und für sich in Anspruch 
nehmen18 19. Als gesetzlicher Vertreter der Universität war nur er zeichnungsberechtigt, er 
war Vorgesetzter aller Mitglieder des Lehrkörpers und des nichtwissenschaftlichen Perso¬ 
nals, ihm oblag die Aufsichtspflicht in der Haushaltsführung, und er war „von Amts 
wegen“ in der Regel Vorsitzender aller akademischer Gremien und der Sozialeinrich¬ 
tungen. 
Einziges ständiges Kontrollorgan des Rektors war der sogenannte Direktionsausschuß, 
den der Verwaltungsrat aus seiner Mitte bestellte. Er rekrutierte sich laut Statut aus zwei 
französischen und zwei saarländischen Mitgliedern. Während die französischen Vertreter 
schon aus technischen Gründen aus dem Bereich des Hohen Kommissariats bzw. der Mis¬ 
sion Diplomatique bestellt wurden, war für die saarländische Seite die Abordnung je eines 
Vertreters aus dem Kultus- bzw. dem Finanzministerium verbindlich vorgeschrieben. Den 
Vorsitz im Direktionsausschuß führte, allerdings ohne Stimmrecht, der Rektor20. 
Verwaltungsrat, Direktionsausschuß und Rektor, die wie alle Verfassungsorgane der 
Universität für eine dreijährige Amtsperiode bestimmt wurden, stellten sozusagen die le¬ 
gislative und exekutive Gewalt der Saaruniversität dar, alle übrigen Ämter und Körper¬ 
schaften hatten, wenn man einmal von der Position des Prorektors als Vertreter des Rek¬ 
tors und der Funktion des Generalsekretärs als Leiter der Universitätsverwaltung absieht, 
nur Befugnisse beratender Natur. Dabei hatte der Universitätsrat, der sich aus Rektor, 
Prorektor, den Dekanen und Prodekanen, den Institutsdirektoren und je einem Professor 
der Fakultäten zusammensetzte, immerhin ein Vorschlagsrecht für alle Fragen des Lehr¬ 
betriebs und damit auch ein personelles im umfassendsten Sinne. Außerdem durfte er zu 
allen Angelegenheiten der Verwaltung und des Universitätshaushaltes Stellung nehmen. 
18 Interview P. Woelfflin vom 27. 11. 1976. 
19 Vgl. hierzu Artikel 30 bis 35 des Universitätsstatuts. 
20 Vgl. hierzu Artikel 23 bis 28 des Universitätsstatuts. 
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