Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

Bei den autres taxes könnte man an die Salzwerksteuer (gabelle de salines), die 
contröle (Registrierungsgebühr für bestimmte Arten von Beurkundungen), die timbre 
oder formule (Stempelsteuer) denken, im Falle von Neubreisach vielleicht auch an die 
1692 neu eingeführte indirekte Steuer auf Kaffee, Tee, Schokolade und andere Kolo¬ 
nialwaren, wenn nicht auch hier die entsprechende Passage aus dem Saarlouiser 
Sammelprivileg ohne redaktionelle Überarbeitung übernommen worden ist. 
Die indirekten Steuern auf Waren, vornehmlich auf Lebensmittel und Getränke 
(Octroi), die im 17. Jahrhundert meist an den Stadttoren erhoben wurden, bildeten 
einen erheblichen Teil der Einnahme des Königreiches. Sie wurden nicht vom Staat 
unmittelbar eingezogen, sondern waren an Pächtern verdingt. Die Verfügungen der 
Privilegien zielen hinsichtlich des octroi in zweierlei Richtung, einmal auf die Be¬ 
freiung der Stadtbewohner von dieser Steuer, dann auf Ermächtigung der Städte zur 
Erhebung auf eigene Rechnung. Hier soll vorerst nur die Steuerbefreiung behandelt 
werden. Das Wort Octroi kommt in den Privilegien für Hüningen und Longwy45, 
Saarlouis und Neubreisach nicht vor. Die Beschreibung der Steuerart ist aber sowohl 
in den Fällen Hüningen und Longwy als auch in den in der Wortwahl völlig anders 
gestalteten Sammelprivilegien für Saarlouis46 und Neubreisach47 eindeutig. Die Be¬ 
wohner aller vier Städte werden von dieser Abgabe befreit. Bei Hüningen wird diese 
Befreiung in zweierlei Hinsicht beschränkt, einmal auf diejenigen, die Häuser in der 
Festung bauen,48 und dann auf die in der Stadt verzehrten Waren. 
Im Falle Saarlouis hatte die Gewährung dieser Vergünstigung eine Vorgeschichte. 
Im April 1681 hatte der König die Steuerpächter angewiesen, von den Bewohnern von 
Lisdorf und Wallerfangen, den Soldaten, Arbeitern und sonstigen beim Bau der Fe¬ 
stung Saarlouis eingesetzten Personen von den für ihren eigenen Verbrauch bestimm¬ 
ten Lebensmitteln, Vieh und anderen lebensnotwendigen Waren, die aus Lothringen, 
den Drei Bistümern und den übrigen zum Rhein hin gelegenen Gebieten kämen49, 
solange keine Abgaben zu erheben, bis der Befestigungsgürtel von Saarlouis geschlos¬ 
sen sei50. Das Sammelprivileg von 1682 hob nicht nur die Befristung der 
45 Beilage II, 2. 
46 Beilage I, 2 ... exempts ... de tous droicts d'entrées dans la dite ville et de sortie d’icelle tant 
de vins que de toutes autres denrées necessaires à la vie avec pouvoir et faculté de faire com¬ 
merce de touttes sortes de marchandises et manufactures sans payer aussy aucuns droicts 
d’entrées n’y de sortie d’icelle ville ... 
47 Fast wörtlich mit Saarlouis übereinstimmend vgl. Beilage III, 2. 
48 Nous voulons et entendons que ceux qui y feront bâtir des maisons sont et demeurent ex¬ 
empts, non seulemens de gens de guerre, mais aussi de tous droits d’impôts sur les vins, mar¬ 
chandises et autres généralement quelconques pourvu toutefois que les dictes marchandises s’y 
consument et ne soient point transportés ailleurs (De Boug, Ordonnances I, S. 78). 
49 Diese Abgrenzung enthält eine deutliche Anspielung auf die Provinces à l’instar de l’etranger 
effectif, die von Innerfrankreich aus gesehen zum Zollausland gehörten. 
50 Nous avons résolu d’affranchir le dit lieu de tous droit de péages sur les vitres et damés qui 
s’y consommeront et comme attendant que cette place soit fermée et fortiffiée il est bien apro¬ 
pos de faire jouir de ces mesmes franchises les officiers, cavalliers et soldats de nos troupes qui 
sont logés en environs de la dite place dont la plus part sont à Vaudrevanges et Listroff ainsy 
que les habitans desdits lieux qui en sont chargés ensemble les ouvriers et autres personnes 
employez aux fortifications de ladite place de Sarrelouis. A ces causes nous avons par ces 
présentes signés de nostre main deffendus et deffendons très expressément aux fermiers et 
receveurs des impôts en la prevosté et l’office de Vaudrevanges et du dit Listroff de lever 
aucun droit générallement quelquonque sur les vivres, bestiaux et autres damés necessaires à 
la vie de quelques natures et qualité qu’elle soit qui se consommeront dans lesdits lieux de 
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