Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

hätte bei einem anderen Verlauf der politischen Entwicklung vielleicht auf die Gestalt 
der Stadtverwaltung einwirken können. 
Die vorstehende Übersicht der hier interessierenden Urkunden zeigt, daß Verleihun¬ 
gen einzelner Vorrechte mit Sammelprivilegien, die teilweise wiederum früher erteilte 
Privilegien bestätigten, in uneinheitlicher Reihenfolge wechselten. Bei Saarlouis und 
Longwy gingen dem Sammelprivileg Einzelprivilegien voran, Fort-Louis, Hüningen, 
Homburg und Bitsch erhielten nur Einzelprivilegien, Neubreisach dagegen empfing 
gleich ein Sammelprivileg. Auch in das Verhältnis zwischen Baubeginn, feierlicher 
Grundsteinlegung und Privilegierung vermag ich nicht ein System zu bringen. Im Falle 
Neubreisach wurde das Sammelprivileg schon dreizehn Monate vor der Grundstein¬ 
legung (16. Oktober 1699) erteilt. Am raschesten wurde Hüningen privilegiert, schon 
zwei Monate nach Baubeginn. Im Falle Saarlouis lagen vier Monate dazwischen, bei 
Longwy zwölf, bei Fort-Louis siebzehn, bei Neubreisach nur drei. Die Gründe können 
wohl nur aufgedeckt werden, wenn die lokalen Gegebenheiten und Verhältnisse zu 
der militärischen und wirtschaftlichen Lage Frankreichs während der jeweiligen Bau¬ 
zeit in Beziehung gesetzt werden. Eine Mindestzahl schon Siedelnder am Ort scheint 
nicht Vorbedingung für die Ausstellung des Privilegs gewesen zu sein; denn Hüningen 
hatte im Mai 1684, nachdem es schon zwei Privilegierungen erfahren hatte, erst zwölf 
Bürgerhäuser38. Das Vorhandensein einer Siedlung in der Nähe der Festungsgroßbau¬ 
stelle, in der die ersten Zuzugswilligen zunächst Obdach finden konnten, mag die 
Ausstellung von Privilegien verzögert oder beschleunigt haben. Eine Tendenz vermag 
ich nicht zu erkennen. Während Saarlouis, nahe bei Wallerfangen aus den Saarwiesen 
wachsend, knapp zweieinhalb Jahre nach Baubeginn sein Sammelprivileg erhielt, 
betrug der entsprechende Zeitraum bei Longwy fast fünf Jahre. 
Wenden wir uns nun dem Inhalt der Urkunden zu: 
Die Arengen drücken immer das Bestreben des Königs aus, das beste Mittel zu finden, 
um die Ansiedlung in den neuen Festungsstädten anziehend zu machen. Während in 
den frühen Privilegien allgemein von dem bequemen Auskommen und der bevorzug¬ 
ten Behandlung der Zuzugswilligen gesprochen wird39 40, werden in den späteren Ur¬ 
kunden konkret die Gewährung besonderer Vorrechte oder Befreiungen, die rechtliche 
38 Huber a.a.O. (wie Anm. 8) S. 104. 
39 Urkunde fur Lisdorf — Wallerfangen (vgl. Anm. 24): considerant que rien n’y peut contribuer 
davantage que la commode subsistance de ceux qui s’y viendront habituer ...; Urkunde für 
Homburg-Bitsch (vgl. Anm. 23): considerans que les villes de Hombourg et de Bitche, lesquel¬ 
les nous avons résolu de fortiffier, sont dénuées d’habitans par la désolation et ruine que les 
dernières guerres y ont causé et que ont necessisé la plus part de ceux qui y estoient d’en sortir 
pour se réfugier ailleur et sçachans qu’il n’y a rien qui puisse contribuer davantage à les faire 
repeupler y establir le commerce et y maintenir les habitans qui y ont resté qu’un traitement 
favorable ... 
40 Urkunde für Saarlouis 1681 (vgl Anm. 25): considerans qu’après avoir faict fortiffier la place 
de Sarrelouis il est du bien et de l’advantage de nostre service de pouvoir à la faire peupler 
d’habitans et que rien n’y peut contribuer davantage et n’est plus capable d’y attirer des 
estrangers des pays et estais voisins et les convier de s’y aller établir ou à Vaudrevanges qui en 
est tout proche ... qu’en les faisons jouir des mesmes privilèges et franchises dont jouissent 
nos naturels subjects dans nostre royaume. 
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