Full text: Beiträge zur Geschichte der frühneuzeitlichen Garnisons- und Festungsstadt

geordneten Zwecken dienstbaren Nutzung militärischer Kraft zu bestätigen. In seiner 
Altersschrift „Réorganisation de l’Armée“ heißt es dazu: Dans les commencements 
elle (la guerre) n eut pour règle que l’emportement et la brutalité: mais la nécessité 
ayant appris au plus faible de joindre la ruse à la force pour se garder de l’oppression 
du plus fort, il s’en fit bientôt une science où les plus grands hommes mirent toute leur 
application, ce qui la débrutit peu à peu, et de grossière et féroce qu’elle était la sou¬ 
mit à de certaines règles que l’expérience a tant de fois rectifiées qu’enfin on est par¬ 
venu à en composer ce qui s’appelle le grand art de la guerre, wobei mit art nichts 
anderes als mathematisch-technische Perfektion gemeint ist41. 
Doch nicht nur in Theorie und Praxis der Kriegführung, sondern auch im zivilen 
Bereich bewährte sich Vauban als „ingénieur de France“, so etwa mit Entwurf und 
Ausführung zweckmäßiger Kasernenbauten sowie kunstvoll ausgestalteter Festungs¬ 
portale und Garnisonkirchen, mit der Umleitung der Eure und der Konstruktion des 
Aquädukts von Maintenon, einem damals als entreprise gigantesque bewunderten 
Werk zur Wasserversorgung von Stadt, Schloß und Fontänen Versailles’42, ferner mit 
der von ihm beim Ausbau seines Schlosses Bazoches entwickelten, doch auf generelle 
Nutzbarkeit angelegten Anweisung für Bauherren, einschließlich detaillierter Hinweise 
für eine solide Kostenrechnung43 und schließlich mit seinem Projekt einer rationellen 
Forstwirtschaft, als dessen wichtigster Punkt die Forderung gelten kann, zur Sicherung 
des Bedarfs an Qualitätsholz für Schiffsbau, Festungsbau und repräsentative Zivilbau¬ 
ten, Holzschlag und Holzbestand durch Schonung bzw. Rekultivierung von Hoch¬ 
wald zu économiser, wie er meinte, vornehmlich eine Aufgabe staatlicher Forstbehör¬ 
den, da private Waldeigentümer aus finanziellen Gründen zumeist nicht geneigt oder 
imstande seien, den bei einer Rekultivierung von Hochwald für viele Jahrzehnte ge¬ 
forderten Verzicht auf eine Verzinsung des investierten Kapitals zu tragen44. Ferner 
bewährte Vauban sich als Zivilingenieur mit seinen keineswegs nur Verteidigungsan¬ 
lagen berücksichtigenden Plänen für den Ausbau von Seehäfen und mit zahlreichen 
Entwürfen für Kanalbauten und Flußregulierungen, so dem „Mémoire sur le Canal de 
Languedoc“, Denkschriften über eine Verbindung von Maas und Mosel bzw. Rhein 
und Marne sowie einer kritischen Untersuchung über die Leistungsfähigkeit des fran¬ 
zösischen Binnenschiffahrtsystems, für uns heute die beste Quelle zu dieser Thema¬ 
tik45. 
Und schließlich kann als eine der vorzüglichsten Leistungen der „Ingenieurkunst“ 
dieser Epoche seine Denkschrift zur Besiedlung und Erschließung Kanadas gelten, 
nach Philipponeau eine methodisch wie inhaltlich allen Ansprüchen moderner „plani¬ 
fication régionale” genügende Leistung, mit der sich Vauban den Rang eines „père de 
41 Vauban I, S. 367 f. Vgl. hierzu vom Vf., Vauban, in: Klassiker der Kriegskunst, hg. von W. 
Hahlweg, Darmstadt 1960, S. 154 f. 
42 Hierzu Vauban I, S. 347, II, S. 187, 203, 258 f. (Aquädukt von Maintenon). 
43 S. seine Denkschrift Plusieurs maximes, bonnes à observer par tous ceux qui font bastir, eine 
143 Punkte umfassende, gut illustrierte Bauanweisung (Vauban I, S. 357—384). 
44 Vauban I, S. 387—403 (Traité de la culture des forêts von 1701). 
45 Mémoire sur le Canal de Languedoc von 1691 (Vauban I, S. 551—576); Memoire concernant 
la junction de la Meuse à la Moselle von 1698 (Vauban I, S. 577—580). S. ferner Vauban II, 
S. 269, 379, 473, 560. 
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